„1. Weihnachten 2. Weihnachten 3. Weihnachten“ (Fundraising-Weisheit #8)

Die Zeit vor Weihnachten ist Spendenhochsaison. Kaum eine Organisation kann es sich leisten, hier keine Spendenkampagne zu fahren. Doch warum ist das so? Und war das immer schon so?

Ein alter Fundraisingkalauer geht so:

„Frage: Welches sind die drei besten Zeitpunkte im Jahr für eine Spendenbriefaktion?

Antwort:  1. Weihnachten 2. Weihnachten 3. Weihnachten“

Weisheiten sind Erfahrungswissen. Und diese Fundraisingweisheit ist von Erfahrung gesättigt. Ein Blick auf die einschlägigen Ergebnisse der Bilanz des Helfens 2019 (Deutscher Spendenrat e.V. 2019, S.11) verdeutlichen das. Gut 31% des dort erhobenen jährlichen Spendenaufkommens  von Privatpersonen [1] werden demnach in den Monaten November und Dezember (davon: 20,5%) eingenommen.
Bei den Einzelhandelsumsätzen ist es ähnlich. Hier werden im Einzelhandel 19% des Jahresumsatzes in den letzten zwei Monaten gemacht (destatis 2019).

Doch warum ist das so? Und war das immer schon so? Wir dürfen davon ausgehen, dass es sich um erlerntes  und tradiertes Verhalten handelt. Ein Verhalten, das sicherlich wieder verändert werden kann. Aktuell können wir beobachten, wie sich im Handel durch das Bewerben von Shoppingtagen wie dem Black Friday und dem Cypermonday die Umsätze vom Dezember in den November vorverlagern (Schäfer 2019).

Im Windschatten dieser Entwicklung wird versucht, den Giving Tuesday als neuen Spendentermin zu etablieren. Diese Aktionstage kommen aus Nordamerika und stehen zeitlich und kulturell im Zusammenhang mit dem dortigen Thanksgiving-Fest.

Was das Spenden am Weihnachtsfest in Deutschland angeht, bin ich bei meiner Suche im wesentlichen auf folgende Aspekte gestoßen.

Weihnachten ist das Fest der Gabe

Das Thema Gabe und Geschenk ist wesentlicher Inhalt des Weihnachtsfests. An Weihnachten feiert die Christenheit, dass Gott Mensch wurde, er der Welt seinen Sohn, Jesus Christus, geschenkt hat. Dem neugeborenen Kind werden gemäß dem Matthäusevangelium (Mt 2,11) Gold, Weihrauch und Myrrhe von den drei Weisen aus dem Morgenland geschenkt.

Virgin and Child, from an Adoration Group, ca. 1515–20, The Metropolitan Museum of Art, New York

Der Soziologe Helmuth Berking erläutert mit Verweis auf Friedrich Gedike, dass erst ab 336 n.Chr. das Weihnachtsfest kirchlicherseits gefeiert wurde. Es wurde auf den 25.12. gelegt, das Datum des römischen Festes der Wintersonnenwende, des Festes des sol invictus. Auch hierbei gab es die Tradition des Beschenkens. Die Kinder werden an Weihnachten parallel zum Jesuskind beschenkt (Berking 1996, 35f.).

Während im 16. Jahrhundert durch die Reformation das Christkind als Geschenke bringende Person eingeführt wurde, mutierte katholischerseits Nikolaus bis zum 19. Jahrhundert zum schenkenden Weihnachtsmann (Berking 1996, 36.).

Mit dem seit dem 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts nun weit verbreiteten Schenken an Weihnachten ging das Geben von Almosen an Bedürftige einher. Damit sind  verschiedene Motive verbunden. In den Familien geht es  um die regelmäßige Erneuerung bzw. Sicherung des sozialen Zusammenhalts. Gegenüber Armen spielt angesichts der eigenen privilegierten sozialen Situation, welche als Frucht göttlicher Gnade empfunden wird, der Gedanke des Ausgleichs eine Rolle (Westhoff u. Westhoff 2013).

Weihnachtsgeschenke und Spenden an Weihnachten sind so etwas wie Geschwister. Sie sind z.T. aus den gleichen Gedanken geboren.

Es geht um spirituelle Dankbarkeit und sozialen Zusammenhalt. Bei aller berechtigter Kritik am Konsumerismus scheint die Vermutung nicht weit hergeholt zu sein, dass es ohne den Weihnachtskonsum keine Weihnachtsspenden gäbe.

Jahresende ist Bilanzzeit

Das Schenken und Spenden am Jahresende rund um die Wintersonnenwende und den 6. Januar hat seit langer Zeit eine religiöse Grundierung. Zugleich war und ist das Jahresende bis heute der Zeitraum, an dem persönlich und im Geschäftsleben Bilanz gezogen wird. So war es bereits während der römischen Festzeit der Saturnalien, in welche das o.g. Fest des sol invictus am 25.12. fiel. Hier wurde nach Abschluss der Winteraussaat das Ende des landwirtschaftlichen Jahres gefeiert (Wikipedia 2019). Und auch die islamische Zakat, die sog. Armensteuer, wird am Ende des (islamischen Mond-) Jahres fällig und sorgt für eine Verteilung des Erfolgs in Form von Almosen für die Armen (Islamic Relief Deutschland 2020).

Schenken und Spenden am Ende des Jahres scheinen somit kulturübergreifend die Funktion zu haben, den Überschuss eines Jahres zum Zwecke des sozialen Zusammenhalts zu verteilen, sei es in der unmittelbar nahen Familie, sei es in ferneren Zusammenhängen und im Gemeinwesen.

Seit Ende der 50er Jahre: Weihnachten als Spendenhochzeit

Dass es im November und Dezember die bekannte „Mailingflut“ gibt, auf die sich unsere Fundraising-Weisheit ja bezieht, hat viel mit den wirtschaftlichen, rechtlichen und technischen Entwicklungen ab Ende der 50er Jahre zu tun.

Eröffnung von Brot für die Welt 1959 (Von „Brot für die Welt“ by CC BY-SA)

Am 12. Dezember 1959, mitten im deutschen Wirtschaftswunder, startete die erste Sammelaktion von Brot für die Welt. Inspiriert von der Anfang 1958 erfolgreichen ersten Sammlung des katholischen Hilfswerk Misereor sollte Brot für die Welt als einmalige Maßnahme anlässlich einer akuten Hungersnot in Indien durchgeführt werden. Aufgrund der enormen Resonanz wurde daraus eine jährlich im Dezember wiederholte Kampagne (Brot für die Welt 2018, 4).

Ich muss hier offen lassen, ob diese Aktion von Brot für die Welt historisch gesehen tatsächlich den Beginn der modernen deutschlandweiten Weihnachtsspendenaktionen markiert. Adveniat folgte zwei Jahre später. Auch die Sammlungen des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“ starteten 1959 (Wikipedia 2020).

Klar ist, dass Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre die Weihnachtszeit durch diese kirchlichen Aktionen deutlich als Spendenkampagnenzeitraum entwickelt wurde.

1966: Altes Sammlungsgesetz wird vom BVG gekippt

Ende der 50er Jahre bis 1966 waren Spendenbriefaktionen meist durch staatliche Behörden zu genehmigen. Ausgenommen von dieser Vorschrift waren Mitgliederorganisationen, also auch die Kirchen, die bei ihren Mitgliedern um Spenden baten (Lingelbach 2009, 163f.). Diese hatten den Vorteil von umfangreichen Mitgliederkarteien und einer flächendeckenden Organisation. Die Spendenaufrufe wurden auf Gemeindeebene über die Gemeindebriefe samt Sammeltüten in alle Haushalte verteilt (Lingelbach 2009, 161f.).

Diese Spendenbriefe waren mangels technischer Möglichkeiten jener Zeit unpersonalisiert. Gabriele Lingelbach weist in ihrer Geschichte des westdeutschen Spendenmarkts darauf hin, dass etwaige Portokosten für Massenmailings seinerzeit nur von großen Organisationen getragen werden konnten.  Allein Unternehmer, namentlich bekannte vermögende Personen und Spender sowie Firmen und Banken erhielten persönlich adressierte Briefe (Lingelbach 2009, 163).

Am 3. Mai 1966 erklärte das Bundesverfassungsgericht das Sammlungsgesetz von 1934 für verfassungswidrig und nichtig, weil es dem Wesen nach totalitär war. Damit entfiel von einem auf den anderen Tag der Genehmigungsvorbehalt des Staates für bestimmte Sammlungsformen, d.h. auch für den Spendenbrief. Allein Bayern und Nordrhein-Westfalen hatten vorsorglich eigene Landesgesetze geschaffen (Lingelbach 2009, 251f.). Rechtlich war damit der Weg für (auch weihnachtliche) Massenmailings durch alle möglichen Organisationen geebnet.

70er/80er: Datenbanken, PCs und Laserdrucker

Technisch wurden Massenmailings durch die Fortschritte in der Informationstechnologie immer leichter realisierbar. Ab Ende der 1960er Jahre professionalisierte sich das Adressbroking in Deutschland, was die zielgenauere Verbreitung von (unpersonalisierten) Postwurfsendungen ermöglichte (Lingelbach 2009, 318f.).

Apple II (Von Rama & Musée Bolo, modified by NeonZero, CC BY-SA 2.0 fr)

Zur gleichen Zeit, d.h. um 1970, wurden die ersten relationalen Datenbanksysteme entwickelt (1&1 IONOS SE 2019), wovon das Adressmanagement profitiert hat. Mit dem Aufkommen der Personal Computer ab 1977 (Apple II) bzw. 1982 (IBM PC) (Wikipedia 2020a) konnten die sammelnden Organisationen Adress- und Spenderdaten selbständig elektronisch verarbeiten.

Die etwa zeitgleiche Einführung kommerzieller Laserdrucker (Holland 2011, S.3) (1976: IBM 3800, 1977: Xerox 9700) ermöglichte in der Folge die massenweise  Personalisierung von Spendenbriefen. Diese Innovation gab dem gesamten Direktmarketing einen enormen Aufschwung. Das goldene Zeitalter des Spendenmailings hatte begonnen. Fortan konnten zu Weihnachten massenweise und zunehmend günstig Spendenbriefe verschickt werden.

Fazit

Spenden an Weihnachten sind im Prinzip Weihnachtsgeschenke. Seit Weihnachten gefeiert wird, werden wohl anlässlich dieses Festes Almosen gegeben. Diese Tradition ist alt, und sie ist in Teilen älter als das Fest selbst. Doch dass Weihnachten in Deutschland zur Hauptspendenzeit privater Haushalte  wurde, scheint – soweit man das ohne Vergleichszahlen aus den Jahrzehnten und Jahrhunderten davor sagen kann – ein recht junger Umstand zu sein. Die Kampagnen kirchlicher Hilfswerke in der Wirtschaftswunderzeit haben Weihnachten zur bevorzugten Spendenzeit gemacht, bis heute.

Anmerkungen und Quellen

[1] „Nicht enthalten sind Erbschaften und Unternehmensspenden, Spenden an politische Parteien und Organisationen und gerichtlich veranlasste Geldzuwendungen, Stiftungsneugründungen und Großspenden über 2.500 €.“ (Deutscher Spendenrat e.V. 2019, S.4).

(1&1 IONOS SE. 2019) 1&1 IONOS SE. 2019. „Datenbanken: Wozu man sie braucht und welche Arten es gibt“. IONOS Digitalguide. 3. September 2019. https://www.ionos.de/digitalguide/hosting/hosting-technik/datenbanken/.

[(Berking 1996) Helmuth Berking: „Schenken. Zur Anthropologie des Gebens“, Frankfurt/New York (Campus), 1996.

(Brot für die Welt 2018) Brot für die Welt, Hrsg. 2018. Didaktischer Baustein und Übersicht. Bd. 1. Berlin, https://www.brot-fuer-die-welt.de/fileadmin/mediapool/60_Jahre/Dossier_Schwerpunkt_Heft_01.pdf.

(Deutscher Spendenrat e.V. 2019) Deutscher Spendenrat e.V. 2019. „Bilanz des Helfens 2019“. Deutscher Spendenrat e.V. (blog). 27. Februar 2019. https://www.spendenrat.de/wp-content/uploads/2019/02/Bilanz_des_Helfens_2019.pdf.

(destatis 2019) Statistisches Bundesamt: „Pressemitteilung Nr. 49 vom 3. Dezember 2019“, https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Zahl-der-Woche/2019/PD19_49_p002.html.

(Holland 2011) Holland, Heinrich. 2011. Direktmarketing: Im Dialog mit dem Kunden. 3. Aufl. München: Vahlen.

(Islamic Relief Deutschland 2020) Islamic Relief Deutschland. 2020. „Zakat- Islamic Relief Deutschland“. 2020. https://www.islamicrelief.de/zakat/.

(Lingelbach 2009) Lingelbach, Gabriele. 2009. Spenden und Sammeln: der westdeutsche Spendenmarkt bis in die 1980er Jahre. Moderne Zeit, Bd. 18. Göttingen: Wallstein.

(Schäfer 2018) Fabian Schäfer: „Das Weihnachtsgeschäft beginnt bereits am Black Friday“, https://onlinemarketing.de/news/weihnachtsgeschaeft-black-friday.

(Westhoff u. Westhoff 2013) Andrea und Justin Westhoff: Kulturgeschichte des Gebens und Nehmens, https://www.deutschlandfunk.de/geschenke-und-gefaelligkeiten-kulturgeschichte-des-gebens.1148.de.html?dram:article_id=270077, 26.12.2013.

„Money comes from paper.“ (Fundraising-Weisheit #7)

Unsere Kommunikation wird immer digitaler. Welche Auswirkungen hat das für den klassischen Spendenbrief? Gehört er (bald) zum alten Eisen oder gilt die Weisheit „Money comes from paper.) weiterhin? Mit einem Blick auf verschiedene Studienergebnisse soll das Bild klarer werden.

Es gibt Augenblicke, die brennen sich unmittelbar in das Gedächtnis ein. Ein solcher Moment war für mich ein Vortrag von Steven Pidgeon beim International Fundraising Congress (IFC) 2014. Da hob dieser Experte die Stimme an und sagte: „Don’t forget:“, und es folgte eine Pause, „Money comes from paper.“

Pidgeon verkürzte damit eine bekannte Redewendung („Money comes from paper and paper comes from trees.“) und deutete sie auf Spendenbriefe um. „Money comes from paper“ war für ihn die Schlussfolgerung aus einem Fallbeispiel. Er hatte als temporärer Berater eine crossmedialen Kampagne einer NGO in Dänemark begleitet. Es gelang via Social Media, TV und out of home-Werbung jede Menge Aufmerksamkeit zu generieren. Doch das Spendenergebnis blieb deutlich unter dem Erwartbaren und vergleichbarer Aktionen. Was war passiert? Die Verantwortlichen in der NGO hatten auf Direct Mail, die klassischen Spendenbriefe, im Maßnahmenmix verzichtet. Ob das aus Kostengründen oder einer euphorischen Technikbegeisterung geschah, kann ich nicht mehr erinnern. Die Gründe sind auch nicht wichtig, was interessiert, ist das Resultat.

Ein Marketingberater aus dem Profitbereich erzählte mir vor Weihnachten von einem seiner Kunden. Ein national tätiges Einzelhandelsunternehmen, das als Internet-Startup begonnen hatte. Es gewinnt inzwischen den weitüberwiegenden Teil seiner Neukunden via Direct-Mail.

Nun darf man nicht von Einzelfällen auf allgemeine Aussagen schließen. Die Erfahrungen meiner eigenen Fundraisingpraxis für die Evangelische Kirche in Mannheim und ihre Diakonie scheinen diese Weisheit jedoch ebenfalls zu stützen. Die Ergebnisse der Spendenbriefkampagnen und die Zahl der verschickten Mailings wachsen Jahr um Jahr. Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung nun tatsächlich auf das Werkzeug der Spendenbriefe? Sind sie im Aussterben begriffen oder doch ein bleibender Bestandteil jedes Fundraising-Mixes?

Ein Blick in die Studien

Also ziehe ich einige Studien und Statistiken zu Rate. Michael Urselmann untersuchte für seinen Vortrag „Wandel der (Spender)Generationen“ (gehalten beim Bad Honnefer Fundraising Forum 2018 ) die Nutzung des Spendenbriefs (Mailing) für die Neuspendergewinnung via Kaltadress-Mailings der Kunden des Dienstleisters GFS. 82% der so gewonnenen Neuspender gehören gemäß einer Vornamenanalyse der Generation der Wiederaufbauer (66+ Jahre) an. Nur 15% sind Babyboomer (51-65) und 3% Angehörige der Generation X (36-50) (ebd. S.12). Nun sind diese Zahlen mit etwas Vorsicht zu genießen, wurden sie als Durchschnitt über alle Kunden der GFS gebildet. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die ausgewerteten Adressdaten gemäß der statistischen Verteilung der Altersgruppen in der Bevölkerung oder der spendenden Personen in Deutschland gewichtet wurden.

Mailings sind bei der Neuspendergewinnung eine Generationenfrage.

Als nächstes nehme ich den Dialogmarketing Monitor der Deutschen Post AG zur Hand. Nach Anzeigenwerbung und Onlinemarketing belegen die Werbesendungen Platz 3 bei den beliebtesten Werbemedien Deutscher Unternehmen (NPOs sind nicht berücksichtigt). Dabei haben die Werbesendungen 2017 sogar das größte Wachstum im Vergleich zum Vorjahr (+0,4 Mrd. €) aufzuweisen. Volladressierte Werbesendungen machen hier den Großteil aus (6,5 Mrd. € total; ebd. S.14). „Jedes dritte deutsche Unternehmen macht gezielte Bestandskundenwerbung, also Werbung, die sich speziell an bereits vorhandene Kunden des Unternehmens richtet. Für 28 % dieser Unternehmen ist die papierbasierte, volladressierte Werbesendung das wichtigste Medium ihrer Bestandskundenwerbung.“ (ebd. S.7)

Mailings sind ein unverzichtbares Mittel der Spenderbindung.

Dann schaue ich mir noch die Presseinformation für die Bilanz des Helfens 2018 von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) und des Deutschen Spendenrats an. Auf die Frage „Was hat den (Haupt-) Anstoß zur Spende gegeben?“ antworteten 22,7% der Befragten, dass dies ein persönlich adressierter Brief war (ebd. S.18). Dieser Wert schwankte in den Jahren 2014 bis 2017 zwischen 20,8% und 24,7%. Im gleichen Zeitraum gaben zwischen 22,0% und 27,5% der Befragten an, dass sie regelmäßig spenden, d.h. „im Sinne von ‚ich spende immer für diese Organisation‘“. Was für für diese regelmäßigen Spenden ursprünglich einmal den Anstoß gegeben hat, bleibt ebenso unklar wie der Umstand, ob die so antwortenden Personen auch einen Spendenbrief erhalten haben. Mutmaßlich spielt bei dieser Gruppe der SpenderInnen das Mailing eine Rolle. Auf jeden Fall sind der Spendenbrief und die regelmäßigen Spenden mit weitem Abstand die wichtigsten Spendenanlässe für die befragten SpenderInnen. Soziale Medien (0,3%) und das Internet (2,1%) rangieren noch weit am Ende der Skala.

Mailings sind weiterhin der wichtigste Spendenanstoß.

Dass die Deutsche Post AG in ihren Äußerungen den Eindruck erweckt, dass die Zahl der in Deutschland verschickten Briefe drastisch sinkt und die Zeit der Briefpost sich dem Ende neigt, ist nicht haltbar. Auch wenn die Deutsche Post AG selbst weniger Briefsendungen verschickt, versenden ihre Konkurrenten mehr. Es ist, wie man dem Tätigkeitsbericht 2016/17 der Bundesnetzagentur entnehmen kann (ebd. S. 14), seit Jahren ein stabiles Aufkommen von ca. 16 Mrd. Briefsendungen pro Jahr zu verzeichnen.

Mein Fazit: Die Weisheit gilt weiterhin

Die Weisheit gilt bis auf weiteres weiterhin. Der analoge Spendenbrief ist nach wie vor unverzichtbar im Fundraising-Mix. Insbesondere für die Pflege von SpenderInnen ist er das Mittel der Wahl. Der Papierbrief ist in einer mehr und mehr digitalisierten Welt ein Medium, das die persönliche Wertschätzung und Ansprache überzeugend transportieren kann. Zudem entgeht er der Gefahr, in der Flut elektronischer Nachrichten unterzugehen, sticht durch seine physische Präsenz im Briefkasten hervor. Mit der Physis ist auch die Haptik verbunden, eine weitere kategoriale Unterscheidung zu den elektronischen Medien.

Auch für die Neuspendergewinnung mittels gemieteter Kaltadressen wird der Spendenbrief noch einige Jahre, zumindest für die SpenderInnen der Wiederaufbauergeneration, eine Rolle spielen. Zweifel daran, dass sich die Babyboomer oder die Generation X in Zukunft von diesem Medium noch als Neuspender ansprechen lassen, scheinen nicht unbegründet zu sein. Es wird mehr und mehr darum gehen, den Fundraising-Mix an die gewandelten Kommunikationsgewohnheiten anzupassen und damit auszuweiten. Ob dann der Spendenbrief im Rahmen der Spenderpflege für diese Generationen ein probates Mittel bleiben wird, muss sich erst zeigen.

Für große Mitgliederorganisationen wie den Kirchen oder bestimmte Wohlfahrtsverbände macht die Neuspendergewinnung per Brief weiterhin sehr viel Sinn. Die Responsequoten und der ROI bei Mailings an Mitglieder, die bislang NichtspenderInnen waren, liegen i.d.R. weit über den Zahlen von gemieteten Adressen für die Kaltaquise. Meist schaffte man mit Mitgliedermailings auf Anhieb den break-even. So gilt hier von Beginn an: „Money comes from paper.“

Bild: StefanHoffmann by pixabay.de under creative commons licence

Keine Klötzchen bestaunen | Unterschriften druckfähig scannen

Eingescannte Unterschriften verpassen Drucksachen, (Spenden-)Briefen, Editorials etc. eine persönliche Note. Nur blöd, wenn die Illusion der eigenhändigen Unterschrift sich bereits beim ersten Blick  in Luft auflöst.

Stufenartefakte bei einer JPEG-Datei. (© Carp)
Stufenartefakte bei einer JPEG-Datei. (© Carp)

Blockartefakte, das sog. „Stufenmuster“, und ein unsauberer Hintergrund sind untrügliche Hinweise auf ein Faksimile. Zugleich zeugen solch unsaubere Unterschriften von mangelnder Sorgfalt und Kompetenz des Absenders. Beide Eindrücke wollen diese auf jeden Fall vermeiden.

Zudem lassen sich Unterschriften mit dem richtigen Know-how leicht sauber digitalisieren.  Damit sehen die inhouse produzierten Serienbriefe gut aus und auch Ihre Druckerei oder Grafiker bekommen druckfähige Dateien.

1. Die Unterschrift

Die Unterschrift, die in den Briefen und Werbematerialen benutzt werden, soll muss zunächst einmal eines sein: Lesbar

Manchmal bekomme ich von den Absendern Unterschriften zur Verfügung gestellt, die auch im Ansatz nicht zu entziffern sind. Wenn ich das anspreche, lautet die Antwort häufig: „So unterschreibe ich halt. Das bin ich, das ist Ausdruck meiner Persönlichkeit.“

Ob so eine nichtentzifferbare Unterschrift einen vertrauenswürdigen Eindruck hinterlässt, sei einmal dahingestellt. Es ist aber auch nicht unbedingt ratsam, seine offizielle Unterschrift für das Faksimile zu nutzen, sondern sich noch eine „Schmuckunterschrift“ zuzulegen. Diese Schmuckunterschrift sollte sich deutlich von der Unterschrift unterscheiden, die etwa bei Banken als Unterschriftenprobe hinterlegt wurde. Ich habe es in meiner Praxis schon einige Male erlebt, dass versucht wurde, die Unterschrift eines Vorstands oder Dekans auf einem Überweisungsträger zu fälschen. Dabei wurde auf Unterschriftenmuster zurückgegriffen, die durch Drucksachen öffentlich im Umlauf waren.

Vergrößerte Ansicht einer Unterschrift mit Füller (© Carp)
Vergrößerte Ansicht einer Unterschrift mit Füller (© Carp)

Dann empfiehlt es sich, die Unterschrift mit einem Füller oder einem anderen breiteren Stift zu schreiben. Die Unterschriften mit Fineliner oder einem dünnen Kugelschreiber kommen im wahrsten Sinne des Wortes zu leicht daher. Die Linien einer Füllerschrift weisen auch unterschiedliche Farbintensitäten auf, was authentischer wirkt. Blau ist in der Regel die Farbe der Wahl. Eine einmal eingescannte farbige Unterschrift lässt sich bei Bedarf auch schnell in eine monochrome, z.B.  schwarze, Version umwandeln.

Fertigen Sie die Unterschriften auf reinweißem Papier an, das begünstigt später das Freistellen der Unterschrift.

2. Das Einscannen

Scannen Sie die Unterschrift mit folgenden Parametern ein:

  • Farben: 24 bzw. 32 bit

    Scannereinstellungen unter XSane (© Carp)
    Scannereinstellungen unter XSane (© Carp)
  • Auflösung: 1200 dpi
  • Ausgabeformat: TIFF

Mit der sehr hohen Auflösung von 1200 dpi werden die Kanten und Rundungen der Überschrift sehr effektiv geglättet. Für den Druck braucht man in der Regel aber nur eine Auflösung von 300 dpi.

Das Grafikformat TIFF (Tagged Image File Format) ist zwar schon alt und seine Dateien sind im Vergleich zu JPEG oder PNG riesig, doch es ist bis heute neben PDF und EPS das am häufigsten verwendete Format in der Druckvorstufe. Es arbeitet mit einer Farbtiefe von bis zu 32 bit und kann auch den für den Offsetdruck wichtigen Farbraum CMYK abbilden. Zudem kann TIFF – das wird häufig vergessen – mit Transparenzen arbeiten. TIFF ist das ideale Grafikformat für hochwertige Bilder. Da TIFF i.d.R. die Bilddaten nicht komprimiert, was es von PNG und JPEG unterscheidet, treten auch die anfangs angesprochenen Kompressionsartefakte nicht auf.

3. Das Freistellen

Für das Ausschneiden und Freistellen der Grafik, also der Entfernung des Hintergrunds, benötigt man eines der gängigen Bildbearbeitungsprogramme. Ich arbeite gerne mit dem freien und kostenlosen Programm GIMP, das es für Windows, MacOS und Linux gibt. Die im Folgenden beschriebenen Schritte und Werkzeuge gibt es in der Regel in allen gängigen Programmen.

  1. Sofern Sie es nicht schon getan haben, schneiden Sie aus der

    Ausschnitt der Unterschrift (© Carp)
    Ausschnitt der Unterschrift (© Carp)

    eingescannten Datei die Unterschrift aus  und fügen Sie sie als neues Bild ein (GIMP: Bearbeiten > Einfügen als ... > Neues Bild).

  2. Entfernen Sie ggf. störende Flecke etc. mit dem Radiergummi-Werkzeug.

    Schwellwert setzen (© Carp)
    Schwellwert setzen (© Carp)
  3. Wählen Sie das Werkzeug „Nach Farbe auswählen“Nach Farbe auswählen (© Carp)aus und setzen Sie den„Schwellwert“ zunächst auf 35. Mit einem Wert in dieser Größenordnung erhält man meist ein gutes Ergebnis. Wählen Sie mit dem Werkzeug-Cursor den weißen Hintergrund aus.

Auswahl (© Carp)
Auswahl (© Carp)

  1. Kehren Sie die Auswahl nun um (GIMP: Auswahl > Invertieren), so dass alles, was nicht weiß ist, markiert wird, sprich die Unterschrift.
  2. Kopieren Sie die Auswahl in die Zwischenablage (Strg-C).
  3. Fügen Sie den Inhalt der Zwischenablage als neues Bild ein (GIMP: Bearbeiten > Einfügen als ... > Neues Bild). Sie sehen die Unterschrift auf transparentem Untergrund.

    Freigestellt (© Carp)
    Freigestellt (© Carp)
  4. Überprüfen Sie die Ränder der Unterschrift. Sind noch helle Reste des Hintergrunds zu sehen sind oder sind die Ränder zu hart abgeschnitten, müssen Sie den Schwellwert des Werkzeugs „Nach Farbe auswählen“ hoch- oder runtersetzen und die ganze Prozedur ab Punkt 3 wiederholten.
  5. Speichern/Exportieren Sie die Unterschrift nun als TIFF-Datei ab

    Als TIFF speichern (© Carp)
    Als TIFF speichern (© Carp)

    (GIMP: Datei > Exportieren als ... / Parameter: Kompression: keine).

  6. Fertig ist die druckfähige Unterschriftendatei, die zudem einen transparenten Hintergrund hat und schick über Textelemente gelegt werden kann.

Fertige Unterschrift (© Carp)
Fertige Unterschrift (© Carp)

Links

Rechtliche Anforderungen an eine Unterschrift:

https://de.wikipedia.org/wiki/Unterschrift#Anforderungen_an_die_Lesbarkeit

Artikel zum Betrug mit Überweisungsträgern: https://www.kontofinder.de/blog/betrug-mit-falschen-ueberweisungstraegern