Roboter zahlen keine Kirchensteuer

Die Automatisierung in der Arbeitswelt hat absehbar Folgen für das Kirchensteueraufkommen. Wie soll darauf reagiert werden?

Der Legende nach, gab es zwischen John Ford II und Walter Reuther, dem Chef der Autobauergewerkschaft folgende Episode. Sie gingen Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre durch eine der ersten automatisierten Ford-Fabriken. Da fragte John Ford: „Walter, wie willst Du Roboter dazu bringen, Gewerkschaftsbeiträge zu zahlen?“  Dieser soll geantwortet haben: „Wie willst Du Roboter dazu bringen, Deine Autos zu kaufen?“

Das war noch weit vor der digitalen Revolution. Und doch wurde bereits über die ökonomischen Folgen der Automatisierung für die Gesellschaft nachgedacht. Seit 2015 forderte der Gründer von Microsoft, Bill Gates, die Einführung einer Robotersteuer. Er geht davon aus, dass die fortschreitende Automatisierung zum dauerhaften Verlust von vielen Arbeitsplätzen führen wird. In der Industrie werden mehr und mehr Roboter menschliche Arbeiter ersetzen. Aber auch im Verwaltungs-, Gesundheits- und Dienstleistungsbereich ersetzen Verfahren der künstlichen Intelligenz (KI) Sachbearbeiter, Ärzte und Berater.

Bill Gates fürchtet, dass den Staaten die Einnahmen aus der Lohn- und Einkommenssteuer wegbrechen, weil die erwerbstätige Bevölkerung signifikant schrumpfen wird.

Denn es ist noch lange nicht ausgemacht, dass in gleichem Umfang neue Jobs entstehen wie alte wegfallen, was Kritiker der Robotersteuer vorhersagen.

Nun hängt die Kirchensteuer bekanntermaßen an der Lohn- und Einkommenssteuer. Lohn- und Einkommenssteuer sind die Berechnungsgrundlage für die Kirchensteuer (8 bzw. 9%). So werden nicht allein die alternde und schrumpfende Bevölkerung bzw. Mitgliedschaft sowie Kirchenaustritte zum dauerhaften Rückgang der Kirchensteuer führen. Die Folgen der Automatisierung drohen diese Entwicklung weiter zu verschärfen.

Während der Staat den Einbruch bei der Lohn- und Einkommenssteuer durch die Besteuerung der Automatisierungsmittel ausgleichen könnte, steht den Kirchen dieser Weg nicht zur Verfügung.

Die Kirchen werden diese weiteren Einnahmerückgänge adaptieren und/oder ihre Einnahmequellen erweitern müssen.

Nun wäre es hier ein Leichtes zu schreiben, dass ein verstärktes kirchliches Fundraising die Antwort auf diese absehbare Herausforderung sei. Das mag tatsächlich ein Teil der Antwort werden. Doch welche Auswirkungen die gesellschaftlichen Folgen der Automatisierung für das Spendenaufkommen insgesamt hat, ist auch noch zu klären

Zunächst gilt es für die Kirchen, die Entwicklungen im eigenen Interesse genau zu analysieren und zu bedenken. Es kommen große Veränderungen auf uns zu, auf Kirche und Gesellschaft.

(Bild: © PaulM by pixabay.com)

Links:

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Bill Gates fordert Roboter-Steuer; http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/netzwirtschaft/automatisierung-bill-gates-fordert-roboter-steuer-14885514.html; zuletzt aufgerufen 20.6.2018.

Lobe, Adrian: Sollten Roboter Steuern zahlen?, https://www.spektrum.de/kolumne/sollten-roboter-steuern-zahlen/1462207, 6.6.2017, zuletzt aufgerufen am 14.6.2018.

Quoteinvestigator: https://quoteinvestigator.com/2011/11/16/robots-buy-cars/, zuletzt aufgerufen am 20.6.2018.

Spät, Patrick:  Adieu, Jobs! Willkommen, Maschine!, https://www.zeit.de/karriere/2015-01/kapitalismus-arbeitsplaetze-digitalisierung-maschinen, 9.2.2015, zuletzt aufgerufen am 14.6.2018.

„The board gives first.“ – Der Vorstand spendet als Erstes (Fundraisingweisheit #4)

Das eigene Spendenverhalten des Vorstands hat maßgeblichen Einfluss auf den Erfolg des Fundraising einer Organisation. Ein Lackmustest für andere Spender*innen. Oftmals noch heikel anzusprechen, aber unumgänglich.

Wie macht man sich als bei einem großen Teil des Vorstands seiner Organisation unbeliebt? Indem man fragt, wieviel die Vorstandsmitglieder selbst bei der anstehenden Fundraisingaktion geben werden. Auf die Frage folgt häufig betretenes oder ungläubiges Schweigen.  Der eine oder die andere sagen nach kurzer Pause: „Wir engagieren uns dermaßen stark ehrenamtlich, das muss reichen. Andere sollen bitte spenden.“

Auf den ersten Blick mag das logisch und gerecht klingen. Die einen bringen Zeit und Arbeitskraft ein, die anderen engagieren sich mit Geld. Doch so einfach ist die Sache nicht.

Die Spende für das eigene Projekt ist ein kaum zu überbietendes Bekenntnis des Vorstands zur eigenen Organisation.

Besser kann ein Leitungsgremium kaum dokumentieren, dass es dem eigenen Projekt vertraut und von der Arbeit des Vereins bzw. der Gemeinde tatsächlich überzeugt ist.

Das ist umso wichtiger, wenn Spenden in persönlichen Gesprächen eingeworben werden. Die Antwort auf die Frage „Haben Sie selbst für das Projekt gespendet?“ ist wie ein Lackmustest für potentielle Spender. Wie wollen wir uns als Vorstände fühlen, wenn jemand uns diese Frage stellt?

Vor einigen Jahren habe ich eine Kirchengemeinde beraten, die in kurzer Zeit 25.000 Euro für die Sanierung der Aufhängung ihrer Kirchenglocken benötigte. Es war Ende Mai, als wir das erste Mal zusammensaßen. Im August mussten die Arbeiten starten. Es war klar, dass wir die Summe in so kurzer Zeit nur durch Gespräche mit hochverbundenen Gemeindegliedern und Altspendern zusammenbekommen.

In einer Fundraisinggruppe mit Vertretern der Gemeindeleitung und zwei gut vernetzten Mitgliedern klärten wir, wen wir wie und durch wen ansprechen. Unvermittelt sagte eine Frau aus dem Kirchenvorstand:

„Auch ich spende 500 Euro. Das macht es mir leichter, die anderen zu bitten.“

Touché. Sie hatte es auf den Punkt gebracht. Wenn sie selbst für das Projekt spendet, dann fällt es ihr leichter andere Menschen um Spenden zu bitten. Sie kann selbstsicherer auftreten und authentisch für das Projekt werben. In der Folge sagten weitere Mitglieder der Fundraisinggruppe, dass sie nach ihren Möglichkeiten spenden würden.

Auch das ist wichtig: Es geht nicht darum, dass alle das Gleiche oder überdurchschnittliche Beträge geben, sondern einen ihren Möglichkeiten angemessenen Beitrag.

Die Spende für das eigene Projekt, den eigenen Verein, ist nicht nur ein klares Bekenntnis, sondern sie zeigt Spendern und Mitgliedern, dass der Vorstand sich für den Erfolg des Fundraisings tatsächlich verantwortlich fühlt und einsetzt. Zudem macht die eigene Spende Spendergespräche wesentlich leichter.

„Würdest Du selber für Deine Organisation spenden?“ Allein das eigene Verhalten beantwortet diese Frage.

(Bild: domeckopol by pixapay.com)

Wer zahlt wie viel Kirchensteuer? – Unbequeme Wahrheiten

Eigentlich darf es nicht verwundern, dass sich die allgemeine Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen auch in der Zusammensetzung der kirchensteuerzahlenden Mitglieder widerspiegelt. Dieser Umstand ist eine Herausforderung für das kirchliche Selbstverständnis und die kirchliche Kommunikation mit den Mitgliedern, will man sie strategisch gestalten.

Aktuell laufen die Berechnungen für die Kirchensteuerprojektion 2030. Wie die Zahlen genau ausfallen, ist noch unbekannt. Unabhängig von den konkreten Ergebnissen dieser Untersuchungen hält die bewusste und intensive Beschäftigung mit der genauen Zusammensetzung des Kirchensteueraufkommens einige organisationale und theologische Herausforderungen bereit.
Wovon man bereits jetzt ausgehen kann, ist die Binsenweisheit, dass sich die Kirchenmitglieder nicht grundsätzlich von der der Gesamtbevölkerung unterscheiden hinsichtlich ihres individuellen (Kirchen-)Steuerbeitrags. So ist ein Blick auf die Statistik der Einkommenssteueranteile interessant. (Vgl.: http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61772/einkommensteueranteile).

Diagramm Einkommenssteueranteile 2011 Deutschland
Einkommensteueranteile 2011 Deutschland – Bundeszentrale für politische Bildung (creative commons)

Da die Lohn- und Einkommenssteuer die Berechnungsgrundlage für die Kirchensteuer bildet, erhält man hier eine Einschätzung über die Beiträge der verschiedenen Einkommensklassen zur Kirchensteuer. Abhängig von den jeweiligen Landeskirche und Bistümern werden 8 bzw. 9% der gezahlten Lohn- und Einkommenssteuer als Kirchensteuer erhoben. Sollte sich die entsprechende Verteilung bei den Kirchenmitgliedern vom Bundesschnitt unterscheiden dann dergestalt, dass etwas weniger Menschen in den unteren und etwas mehr Menschen in den höheren Zehntel angesiedelt sein dürften. Das legen zumindest die Ergebnisse verschiedener Mitgliederbefragungen nahe.
Nach der Statistik der Einkommenssteueranteile ist es so, dass »[…] sich [2011] der Anteil der oberen 10 Prozent der Einkommensteuerpflichtigen am Gesamtbetrag der Einkünfte auf 36,4 Prozent und der Anteil der untersten 50 Prozent auf 16,2 Prozent. Beim obersten Prozent lag der Anteil am Gesamtbetrag der Einkünfte bei 12,5 Prozent, der Anteil am Einkommensteueraufkommen betrug 22,0 Prozent« (bpb).

Die Unterschiede bei der Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland spiegeln sich in den Einkommens- und Vermögensverhältnissen der Mitglieder der großen (Volks-)Kirchen wider.

Knapp 40% der Mitglieder der evangelischen Landeskirche in Baden zahlen Kirchensteuer. Rund 60% der Mitglieder (Kinder, Jugendliche, Renter, Menschen und Ehepaare mit Einkommen unterhalb der Bemessungsgrenze) zahlen keine Kirchensteuer. Dieser Fakt ordnet die genannten Zahlen weiter ein.

Wenn wir von der evangelischen Kirche sprechen, reden wir einmal von ihr als Teil der Versammlung der Gläubigen, als geistlicher Gemeinschaft. Zum andern sprechen wir von der konkreten Organisation mit der Rechtsform „Körperschaft des öffentlichen Rechts“. Je nach Blickwinkel betrachten wir die evangelische Kirche als geistlich-ideelle oder als juristisch-organisationale Größe. Diese Blickwinkel treten zwangsläufig in Spannung zueinander.

Für den Glauben evangelischer Prägung ist von zentraler Bedeutung, dass alle Menschen vor Gott gleich sind.

Sie sind alle zugleich Sünder und Gerechte, wie Martin Luther es formulierte. Und deshalb sollen soziale Unterschiede beim Miteinander innerhalb der Kirche, beim gemeinsamen Gebet und Gottesdienst, keine Rolle spielen. Die biblischen Texte über die ersten Gemeinden in Jerusalem und Korinth (Apostelgeschichte 2,37-47; 1. Korintherbrief 11,17-22) beschreiben bereits gleichermaßen das Ideal und die Konflikte, die es von Anbeginn gab.

Doch wenn sich die Evangelische Kirche als Organisation, welche sich vornehmlich aus der Kirchensteuer finanziert, strategische Gedanken über die Zukunft macht, kommt sie nicht umhin, hinsichtlich der finanziellen Möglichkeiten ihrer Mitglieder Unterschiede zu machen. Es macht finanziell nun einmal einen gravierenden Unterschied, ob Mitglieder austreten, die zu den oberen zehn oder gar dem obersten einem Prozent der Einkommensteuerpflichtigen gehören, oder ob Mitglieder der Organisation Kirche den Rücken zukehrt, die keine oder wenig Kirchensteuer zahlen.

Auch macht es finanziell einen Unterschied, ob ein Mitglied mit Mitte 50 austritt oder mit Eintritt ins Berufsleben, etwa mit Mitte 20. Wenn ein Mitglied mit 25 sein weiteres Leben lang Mitglied seiner Kirche bleibt, zahlte es durchschnittlich 28.000 Euro Kirchensteuer.

Es geht bei diesen m.E. notwendigen Unterscheidungen nicht darum, ob mit den Besserverdienenden zu Lasten der anderen Mitglieder kommuniziert wird. Es geht im Sinne einer ziel- und zielgruppenorientierten Kommunikation darum, dass bei Inhalt und Form Unterschiede gemacht werden.

„Behandle Gleiches gleich und Ungleiches ungleich.“
(frei nach Aristoteles, Nikomachische Ethik)

Das ist nicht nur weise mit Blick auf die Organisation, sondern wird auch den verschiedenen Bedürfnissen, Beiträgen und Lebenssituationen gerecht. Ein Problem, das der Struktur nach auch bei der Kommunikation mit Großspendern und den anderen Förderern in einer NPO auftritt.

Wie diese differenzierende Kommunikation der Kirche genau aussehen kann, muss gründlich diskutiert werden. Wenn man sich den Unterschied zwischen den ideell-theologischen und den organisationalen Aspekten immer wieder ins Gedächtnis ruft, dann wird man auch daran erinnert, dass die Unterschiede, welche die Organisationen machen müssen, im Glauben aufgehoben sind.

(Bild: Alexandra_Koch by pixabay.com (creative commons))

Quellen:

Bundeszentrale für politische Bildung: Einkommenssteueranteile, http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61772/einkommensteueranteile, zuletzt aufgerufen am 13.5.2018.

Bundeszentrale für politische Bildung: Vermögensverteilung, http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61781/vermoegensverteilung, zuletzt aufgerufen am 13.5.2018.

 

„Danke, bevor die Sonne sinkt“ (Fundraising-Weisheit #3)

Dieser Klassiker geht auf den Doyen des Fundraisings in Deutschland zurück: Lothar Schulz. Er war jahrzehntelang der Fundraiser der Stiftung Alsterdorf Hamburg.

„Danke, bevor die Sonne sinkt.“ (Lothar Schulz)

Auch der moderne Marketeer dürfte Schulz zustimmen. Denn er weiß, dass nach jeder (Kauf-/Spenden-)Entscheidung dem Aufkommen kognitiver Dissonanz vorzubeugen ist. Beim Spender soll kein Zweifel an seiner Spendenentscheidung entstehen. Zweifel, die aufkommen, wenn der Spender ewig nichts vom Empfänger hört und sich Fragen stellt wie: „Ist meine Spende überhaupt angekommen?“, „Wissen die Empfänger meine Spende überhaupt zu schätzen?“, „Brauchen die meine Spende überhaupt?“ Oder: „Hätte ich nicht besser an eine andere Organisation spenden sollen?“ Ein schneller Dank mildert die kognitive Dissonanz ab oder beugt ihr gar vor. Er erhöht die Wahrscheinlichkeit weiterer Spenden in der Zukunft.

„So fühlt man Absicht, und man ist verstimmt.“ (J.W. v. Goethe, Torquato Tasso, 2. Akt, 1. Auftritt) Dieses Zitat bringt die Gefahr eines allzu mechanistischen Vorgehens gegen das mögliche Aufflammen kognitiver Dissonanz auf den Punkt. Weshalb bin ich irritiert, wenn mich der Autohändler ca. zehn Tage nach dem Kauf meines neuen Wagens anruft? Er möchte sich versichern, dass ich mit meiner Entscheidung noch zufrieden bin. Weil ich ahne, dass es ihm weniger um mich, sondern mehr um die Absicherung seines Verkaufs geht. Legitim und schlau aber auch berechnend.

Lothar Schulz ging es bei seinem Fundraisingansatz immer darum, die Perspektive der Spender in den Vordergrund zu rücken. Das ist die Konsequenz einer wahrhaft empathischen Grundhaltung zu den Unterstützern. Im Unterschied zu Konsumgütern geht es im Nonprofit-Bereich um ideelle Werte, die geteilt werden wollen. Die Beziehung zwischen Spendern und Organisation unterschiedet sich somit fundamental. Während ich beim Autohändler davon ausgehen darf, dass dieser für seinen eigenen Profit arbeitet, vertraue ich bei der Nonprofit-Organisation (NPO) darauf, dass sie sich primär den anderen, unseren Mitmenschen, Mitgeschöpfen und der Gemeinschaft verpflichtet fühlt. Damit ist die moralische Fallhöhe für NPOs deutlich größer als bei Unternehmen, sollte dieses Vertrauen nachhaltig irritiert oder enttäuscht werden.

Wahrer Dank entspringt nicht dem Kalkül, sondern der Verbundenheit im Geiste, in der Sache und dem Respekt voreinander. Dass ein schnelles und von Herzen kommendes „Dankeschön“ auch zukünftigen Spenden zuträglich ist, muss dabei nicht vergessen werden.

Literatur:

  • Leon Festinger: Theorie der Kognitiven Dissonanz. Huber Verlag Bern, 2012.
  • Hans Raffée (Autor),‎ Bernhard Sauter (Mitwirkende),‎ Günter Silberer (Mitwirkende): Theorie der kognitiven Dissonanz und Konsumgüter-Marketing: Der Beitrag der Theorie der kognitiven Dissonanz zur Erklärung und Gestaltung von Kaufentscheidungen bei Konsumgütern, Gabler Wiesbaden, 1973.

(Foto: © RitaE by pixabay.com)

„Fundraising is the principle of asking, asking again and asking for more.“ (Fundraising-Weisheit #2)

Die können wir nicht fragen, die haben bereits beim letzten Mal gespendet.“ Ein Satz, den ich bei Beratungen von Vorständen und Kirchengemeinderäten häufiger zu hören bekomme. Positiv aufgenommen, kann man das so verstehen, dass auch andere Menschen sich an der Finanzierung der Gemeinde oder des Projekts beteiligen sollen. An sich eine löbliche Haltung, doch erfahrungsgemäß nicht sonderlich effektiv.

Wer schon einmal mit einer Sammeldose von Haustür zu Haustür gegangen ist oder in einer Fußgängerzone um Spenden gebeten hat, der weiß, wie herausfordernd es ist, Spender zu gewinnen. Menschen, die im Vertrieb arbeiten, kennen diese Erfahrung.

Deswegen ist es für NGOs, Vereine und Gemeinden wesentlich effektiver, bereits gewonnene Spenderinnen erneut um Unterstützung zu bitten, als wieder neue Spender zu finden. Durch die Pflege und geplante Wiederansprache von Spenderinnen unterscheidet sich systematisches Fundraising vom einfachen Spendensammeln.

„Fundraising is the principle of asking, asking again and asking for more.“ (Kim Klein)

„Die Grundlage allen Fundraisings ist zu fragen, wieder zu fragen und nach mehr zu fragen.“, so könnte man den Merksatz von Kim Klein übersetzen, einer bekannten amerikanischen Fundraiserin. Dahinter steht die Erfahrung, dass es wesentlich wirtschaftlicher ist, vorhandene Spender erneut um Spenden zu bitten. Oft braucht es bei nichtkirchlichen Organisationen bis zu drei Durchschnittsspenden, bis der Aufwand für die Neuspendergewinnung die Erträge übersteigen.

Fundraising ist Teil der langfristigen Finanzierungsstrategie einer Organisation. Es ist ein auf Dauer angelegtes Vorgehen und soll einen verlässlichen Beitrag leisten.

Kim Kleins „Weisheit“ liegt auch die Einsicht zugrunde, dass die Beziehung zwischen Organisation und Spender wachsen kann. Das allein auf die Spendenhöhe oder -häufigkeit zu beziehen, würde die Gründe ausblenden, die es aussichtsreich machen, wiederholt und um mehr zu bitten.

Die Beziehung wächst in dem Maße, in dem die Organisation verlässlich mit der Spenderin kommuniziert. Das fängt an mit dem schnellen Dank für die Spende und geht weiter mit Informationen über die Verwendung und die Wirkung der Mittel. So baut sich Vertrauen auf. Die Spenderinnen erfahren, dass ihr Engagement Sinn ergibt.

Vertrauen ist die Grundlage dafür, die Spender erneut und in der Folge auch gezielt um mehr zu fragen. Dabei geht die NGO einerseits darauf, dass der Spender selbst entscheidet, ob und wofür er spenden möchte. Andererseits soll der Spender darauf vertrauen dürfen, dass die NGO ihn nicht unter Druck setzt.

Fundraising ist ein Kommunikationsprozess. In dem Maße, in dem eine NGO und ihre Spenderinnen miteinander kommunizieren, wird es für beide Seiten immer selbstverständlicher, über weitere Spenden zu sprechen. Und dann wird die Frage zu einem konkreten Angebot, sich weiterhin für einen guten Zweck zu engagieren.

(Bild: © geralt by pixabay.com)

Die Kirchensteuer – überall

Es war in Bretten an der Stiftskirche. Eines Tages waren der Zivi und ich dabei, das Tor zur Einfahrt auf den Kirchvorplatz zu schließen, da schoss ein Kleinwagen an uns vorbei und fuhr dem Zivi beinahe über die Zehen. Der Wagen parkte, ein Mann stieg aus und wollte eilends weg. Auf unsere Ansage hin, dass dies kein öffentlicher Parkplatz sei und er bitte wieder wegfahren solle, kam die Antwort: „Ich darf hier parken.  Ich zahle Kirchensteuer.“

Ob ausgesprochen oder unausgesprochen, das Thema „Kirchensteuer“ schwebt wie eine Wolke über  jeder  Kommunikation  mit unseren Mitgliedern, Sympathisanten, Ehrenamtlichen und Spendern. Und – meine These – je seltener diese Kommunikation geschieht, desto häufiger spielt das Thema eine Rolle, wenn es dann zum Kontakt kommt.

„Jahrelang habe ich Kirchensteuer gezahlt, ohne etwas in Anspruch zu nehmen  und jetzt, wo ich heirate, komme ich mir wie ein Bittsteller vor.“ Solche oder ähnliche Aussagen begegnen mir gelegentlich.

Auch manch Kirchensteuerzahler, der eine Spendenbitte von seiner Gemeinde erhält, reagiert mit den Worten:

„Ich zahle doch Kirchensteuer!“

Diese Reaktion kann so interpretiert werden, dass das Mitglied der Meinung ist, bereits genug zur Finanzierung der Kirche beizutragen. Das schwingt wohl oft mit. Doch es gibt da noch etwas anderes. Die Bitte um eine Spende wird m.E. häufig als undankbar und unzeitig empfunden. Denn der Beitrag, den man als Mitglied durch die Kirchensteuer leistet, wurde bislang nicht gewürdigt und gedankt.

Und ein Dank wäre angemessen, denn anders als bei staatlichen Steuern kann man sich der Kirchensteuer leicht und legal durch den Austritt entledigen. Aus Sicht von Mitgliedern, die nur selten in Kontakt mit ihrer Gemeinde oder anderen kirchlichen Einrichtungen sind, ist die Kirchensteuer so eher eine freiwillige Gabe. Sie wird vielleicht aus alter Verbundenheit gezahlt, ähnlich einer passiven Vereinsmitgliedschaft.

Ich kann die geschilderte Enttäuschung einiger Kirchensteuerzahler beim Erhalt von Spendenbriefen nachvollziehen. Dass die meisten Landeskirchen nicht wissen, wer die 30% ihrer kirchensteuerzahlenden Mitglieder sind, taugt nicht als Entschuldigung (Weshalb das so ist und ob das so bleiben muss, dazu ein andermal.). Es ist vielmehr ein wesentliches Teil des Problems. Denn es sind die Ortsgemeinden und ihre Mitarbeiter und Engagierten, die in den dichten Kommunikationszusammenhängen mit den Mitgliedern stehen. Über ihnen regnen die meisten der regelmäßigen Kirchensteuergewitter ab.

Was Not tut? Mehr, genauer und offener über das Thema Kirchensteuer miteinander kommunizieren. Und das gilt nicht nur oder primär in Hinblick auf die vielen Mitglieder, die nicht zur Kerngemeinde gehören, oder die allgemeine Öffentlichkeit. Da gibt es zwar schon gute Ansätze (siehe z.B. hier), aber auch noch viel zu tun. Mehr reden und informieren gilt vor allem auch für die MitarbeiterInnen, die Gremien und Kerngemeinden. Es geht um ein Bewusstsein um die finanziellen Grundlagen unserer Kirche. Davon hängt die Organisation Kirche ab.

Die Botschaft Jesu gilt allen Menschen, egal ob arm oder reich, ohne Unterschied. Doch die ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung in unserer Gesellschaft spiegelt sich bei unseren Mitgliedern weitestgehend wider. Als Organisation tut Kirche gut daran, dies wahrzunehmen und Aristoteles‘ ethisches Prinzip zu befolgen: Gleiches gleich zu behandeln und Ungleiches ungleich. Die Verdrängung oder Tabuisierung des Themas wird niemandem gerecht werden und nicht gut tun.

(Bild: © nisroh / pixabay.com)

Amazon (Smile) und das Gemeinwesen – Eine zynische Beziehung

Ich werde immer wieder gefragt, ob ich Erfahrung mit den diversen charity-shopping-Programmen im Internet habe, also AmazonSmile, Bildungsspender etc. Das liegt schon lange zurück. Ich habe immer geraten, seine Zeit und Kraft in andere Strategien (Gespräche, Förderanträge etc.) zu investieren. Da kommt mehr bei rum. Denn charity-shopping-Programme erfordern die permanente Erinnerung des eigenen Netzwerks dran, sie zu nutzen. Also: Cui bono?

Es gibt aber insbesondere mit Blick auf AmazonSmile für NGOs, die Kirchen und den öffentlichen Sektor ein massives ethisches Problem. Die sog. „Paradise Papers“ haben wieder ein Schlaglicht darauf geworfen, wie global agierende Konzerne systematisch Steuervermeidung zulasten der Länder betreiben, in denen sie ihre Geschäfte und Gewinne machen.

Es ist zynisch, wenn diese Konzerne sich  im Rahmen ihrer Corporate Social Responsibility-Strategien gleichzeitig als Unterstützer des Gemeinwesens darstellen. Da lassen sich zahlreiche Fördervereine von Schulen und Kindergärten z.B. bei AmazonSmile listen und hoffen auf kleine Beiträge für ihre Arbeit. Die Ausstattung der Kindergärten, Schulen und Sportvereine und somit der Unterricht und die Trainingsbedingungen sollen mit diesen Spenden verbessert werden.

Dabei liegt es auf der Hand, dass die Konzerne der Gesellschaft nicht zuerst milde Gaben sondern ihre Steuern schulden. Dann stünden dem Staat genug Mittel zur Verfügung, Kindergärten, Schulen und Universitäten sowie die öffentliche Infrastruktur besser auszustatten. Also genau die Strukturen, von denen die Konzerne in den Ländern auch profitieren.

Deswegen sollten alle Akteure der Zivilgesellschaft Rückgrat zeigen und einen weiten Bogen um solche Angebote machen. Es muss vielmehr laut und deutlich gesagt werden: Steuervermeidung schadet der Zivilgesellschaft massiv. Da ist jedes  Charity-Programm eine Nebelkerze und korrumpiert zudem die Empfänger.

(Bild: © gleenferdinand by pixabay.com)