Fundraising-Weisheit #5: „Von nichts kommt nichts.“

Der Aufbau des Fundraisings einer Organisation ist nicht allein eine finanzielle Investition. Damit dauerhafte Spenderbeziehungen entstehen, muss die Organisation darüberhinaus ihr eigenes Vertrauen in die Spender investieren.

„Braucht die evangelische Kirche denn Spenden?“, fragte mich jüngst am Elternstammtisch die Mutter einer Mitschülerin meiner Tochter. Wir lernen uns gerade alle kennen und erzählten, was wir beruflich so tun. Dazu muss man noch wissen, dass unsere Kinder auf eine evangelische Schule gehen. Die Eltern sind der evangelischen Kirche also durchaus zugetan.

Ich fand die Frage der Frau symptomatisch. Da hörte ich unausgesprochene Annahmen mitschwingen: „Ist die Kirche nicht reich? Das lese ich doch immer wieder in der Presse.“ Vielleicht auch: „Ihr finanziert Euch doch durch die Kirchensteuer. Das sollte doch reichen?“

Für das Fundraising kirchlicher und diakonischer Organisationen aber auch für staatliche Schulen und Kindergärten ist das Thema (Kirchen-)Steuer eine kommunikative Herausforderung. Angesichts dieser Finanzierungsquellen erschließt sich Menschen nicht automatisch, dass staatliche oder kirchliche Einrichtungen tatsächlich Spenden benötigen bzw. weshalb sie darum bitten.

Binsenweisheit: „Von nichts kommt nicht.“

Volker Erbacher, ein guter Fundraisingkollege von der Diakonie Baden, gab mir zu Beginn meiner Arbeit als Fundraiser augenzwinkernd mehrere Weisheiten mit auf dem Weg. Er wusste, dass es Binsen und Allgemeinplätze sind, aber auch, dass sie in bestimmten Situationen den richtigen Punkt treffen. Eine dieser drei Weisheiten war: „Von nichts kommt nicht.“

Lange habe ich diese Weisheit allein auf die Notwendigkeit von Investitionen ins Fundraising bezogen. Bevor wir Geld und Unterstützung erhalten, müssen wir welches ausgeben. Es braucht Personal, Know-how, Material und Geld. Damit betonte diese Weisheit die unternehmerische Seite jeder Fundraisingaktivität. Ja, so kann man sie durchaus verstehen.

„ex nihilo nihil fit“ vs. „creatio ex nihilo“

Ursprünglich kommt der Ausspruch „Von Nichts kommt nichts“ (abgeleitet vom Lateinischen „ex nihilo nihil fit“ ) aus der antiken Philosophie. Lukrez begründete in seinem Werk „De rerum natura“ damit die Annahme, das alles, was ist, eine innerweltliche und keine göttliche Ursache hat. Die Theologie setzte dieser Ansicht den Glauben an eine „creatio ex nihilo“, die göttliche Schöpfung aus dem Nichts, entgegen.

Diese geisteswissenschaftliche Auseinandersetzung führt hier zu weit weg vom Fundraising. Doch das Prinzip von Ursache und Wirkung, bzw. die Einsicht, dass jedes gewünschte Ergebnis auf bestimmten Voraussetzungen beruht, drückt der Spruch prägnant aus. Und er gilt auch für die Kommunikation im Fundraising.

Die Frau in der eingangs beschriebenen Szene wusste nicht, dass und wofür die evangelische Kirche und ihre Diakonie Spenden benötigen. Und sie weiß das wahrscheinlich nicht, weil die evangelische Kirche nicht ausreichend glaubhaft und nachvollziehbar kommuniziert, dass sie bei ihrer Arbeit auch auf Spenden angewiesen ist. „Von nichts kommt nichts.“

Vertrauen zu Organisationen fällt nicht vom Himmel.

Wenn für Sympathisanten, Freunde, Mitglieder und die Öffentlichkeit die Bedürftigkeit einer Organisation nicht nachvollziehbar ist, werden sie nicht oder nur wenig spenden. Glaubhaft und nachvollziehbar wird die eigene Bedürftigkeit, wenn die Organisation von sich aus transparent und zuverlässig kommuniziert.

Da sind wir in der Bringschuld. Transparenz schafft Vertrauen und damit die Voraussetzung dafür, sich bei und mit einer Organisation finanziell zu engagieren. Es geht um gläserne Taschen. Über wieviele Mittel verfügt die Organisation? Wofür benötigt sie wieviel? Was hat sie als Nächstes vor?

Vertrauen entsteht dadurch, dass wir unseren Spendern und Sympathisanten vertrauen und ihnen unsere Zahlen offen legen. Ein misstrauisches „Das geht niemanden etwas an.“, das mir zu Beginn meiner Tätigkeit einmal entgegenschlug, erzeugt genau das: Misstrauen.

Es gibt in Deutschland für Vereine keine Veröffentlichungspflicht. Doch das bedeutet nicht, dass die Publikation der Eckdaten sinnlos ist. Man kann es auch so sehen, dass dieser Umstand jeder Organisation die Möglichkeit gibt, die Form der Darstellung selbst zu bestimmen. Es geht ja nicht um den Verrat von Betriebsgeheimnissen, sondern lediglich um Eckdaten.

Transparenz ist die Grundlage

Für das Mannheimer Arbeitslosenzentrum (MAZ) habe ich mit dem damaligen Leiter der Einrichtung einen einfachen Jahresbericht mit zusammengefassten Daten entwickelt.

Ausschnitt aus dem Jahresbericht des MAZ 2017 (© EKMA.de)

Damit fiel es uns leichter zu erklären, weshalb wir um Spenden bitten müssen. Wir bekamen viele Rückmeldungen von Spendern, dass diese Informationen ihnen geholfen hätten.

Ganz ähnlich gehen wir gerade bei einer Mannheimer Kirchengemeinde vor. Sie hat ein strukturelles Defizit, das sie u.a. durch die Steigerung der Einnahmen aus Spenden schließen möchte. Vor dem ersten Spendenbrief stand hier das Schaffen von Transparenz.

Einnahmen und Ausgaben aus „Post von Petrus“ 1/2019 (© Petrusgemeinde Mannheim)

Im neu geschaffenen Gemeindenewsletter wurde im Abstand von drei Monaten zunächst zweimal auch über die finanzielle Situation der Gemeinde berichtet. Dabei wurden einfache Tortendiagramme verwendet. Die Botschaft wurde verstanden. Und erst mit dem dritten Newsletter wurde der Spendenaufruf verschickt.

Vertrauen ist keine creatio ex nihilo, es will gebildet und gepflegt werden.

 

Quellen und Links:

Bild: By ESA/Hubble, CC BY 4.0 on commons.wikimedia.org

„Money comes from paper.“ (Fundraising-Weisheit #7)

Unsere Kommunikation wird immer digitaler. Welche Auswirkungen hat das für den klassischen Spendenbrief? Gehört er (bald) zum alten Eisen oder gilt die Weisheit „Money comes from paper.) weiterhin? Mit einem Blick auf verschiedene Studienergebnisse soll das Bild klarer werden.

Es gibt Augenblicke, die brennen sich unmittelbar in das Gedächtnis ein. Ein solcher Moment war für mich ein Vortrag von Steven Pidgeon beim International Fundraising Congress (IFC) 2014. Da hob dieser Experte die Stimme an und sagte: „Don’t forget:“, und es folgte eine Pause, „Money comes from paper.“

Pidgeon verkürzte damit eine bekannte Redewendung („Money comes from paper and paper comes from trees.“) und deutete sie auf Spendenbriefe um. „Money comes from paper“ war für ihn die Schlussfolgerung aus einem Fallbeispiel. Er hatte als temporärer Berater eine crossmedialen Kampagne einer NGO in Dänemark begleitet. Es gelang via Social Media, TV und out of home-Werbung jede Menge Aufmerksamkeit zu generieren. Doch das Spendenergebnis blieb deutlich unter dem Erwartbaren und vergleichbarer Aktionen. Was war passiert? Die Verantwortlichen in der NGO hatten auf Direct Mail, die klassischen Spendenbriefe, im Maßnahmenmix verzichtet. Ob das aus Kostengründen oder einer euphorischen Technikbegeisterung geschah, kann ich nicht mehr erinnern. Die Gründe sind auch nicht wichtig, was interessiert, ist das Resultat.

Ein Marketingberater aus dem Profitbereich erzählte mir vor Weihnachten von einem seiner Kunden. Ein national tätiges Einzelhandelsunternehmen, das als Internet-Startup begonnen hatte. Es gewinnt inzwischen den weitüberwiegenden Teil seiner Neukunden via Direct-Mail.

Nun darf man nicht von Einzelfällen auf allgemeine Aussagen schließen. Die Erfahrungen meiner eigenen Fundraisingpraxis für die Evangelische Kirche in Mannheim und ihre Diakonie scheinen diese Weisheit jedoch ebenfalls zu stützen. Die Ergebnisse der Spendenbriefkampagnen und die Zahl der verschickten Mailings wachsen Jahr um Jahr. Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung nun tatsächlich auf das Werkzeug der Spendenbriefe? Sind sie im Aussterben begriffen oder doch ein bleibender Bestandteil jedes Fundraising-Mixes?

Ein Blick in die Studien

Also ziehe ich einige Studien und Statistiken zu Rate. Michael Urselmann untersuchte für seinen Vortrag „Wandel der (Spender)Generationen“ (gehalten beim Bad Honnefer Fundraising Forum 2018 ) die Nutzung des Spendenbriefs (Mailing) für die Neuspendergewinnung via Kaltadress-Mailings der Kunden des Dienstleisters GFS. 82% der so gewonnenen Neuspender gehören gemäß einer Vornamenanalyse der Generation der Wiederaufbauer (66+ Jahre) an. Nur 15% sind Babyboomer (51-65) und 3% Angehörige der Generation X (36-50) (ebd. S.12). Nun sind diese Zahlen mit etwas Vorsicht zu genießen, wurden sie als Durchschnitt über alle Kunden der GFS gebildet. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die ausgewerteten Adressdaten gemäß der statistischen Verteilung der Altersgruppen in der Bevölkerung oder der spendenden Personen in Deutschland gewichtet wurden.

Mailings sind bei der Neuspendergewinnung eine Generationenfrage.

Als nächstes nehme ich den Dialogmarketing Monitor der Deutschen Post AG zur Hand. Nach Anzeigenwerbung und Onlinemarketing belegen die Werbesendungen Platz 3 bei den beliebtesten Werbemedien Deutscher Unternehmen (NPOs sind nicht berücksichtigt). Dabei haben die Werbesendungen 2017 sogar das größte Wachstum im Vergleich zum Vorjahr (+0,4 Mrd. €) aufzuweisen. Volladressierte Werbesendungen machen hier den Großteil aus (6,5 Mrd. € total; ebd. S.14). „Jedes dritte deutsche Unternehmen macht gezielte Bestandskundenwerbung, also Werbung, die sich speziell an bereits vorhandene Kunden des Unternehmens richtet. Für 28 % dieser Unternehmen ist die papierbasierte, volladressierte Werbesendung das wichtigste Medium ihrer Bestandskundenwerbung.“ (ebd. S.7)

Mailings sind ein unverzichtbares Mittel der Spenderbindung.

Dann schaue ich mir noch die Presseinformation für die Bilanz des Helfens 2018 von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) und des Deutschen Spendenrats an. Auf die Frage „Was hat den (Haupt-) Anstoß zur Spende gegeben?“ antworteten 22,7% der Befragten, dass dies ein persönlich adressierter Brief war (ebd. S.18). Dieser Wert schwankte in den Jahren 2014 bis 2017 zwischen 20,8% und 24,7%. Im gleichen Zeitraum gaben zwischen 22,0% und 27,5% der Befragten an, dass sie regelmäßig spenden, d.h. „im Sinne von ‚ich spende immer für diese Organisation‘“. Was für für diese regelmäßigen Spenden ursprünglich einmal den Anstoß gegeben hat, bleibt ebenso unklar wie der Umstand, ob die so antwortenden Personen auch einen Spendenbrief erhalten haben. Mutmaßlich spielt bei dieser Gruppe der SpenderInnen das Mailing eine Rolle. Auf jeden Fall sind der Spendenbrief und die regelmäßigen Spenden mit weitem Abstand die wichtigsten Spendenanlässe für die befragten SpenderInnen. Soziale Medien (0,3%) und das Internet (2,1%) rangieren noch weit am Ende der Skala.

Mailings sind weiterhin der wichtigste Spendenanstoß.

Dass die Deutsche Post AG in ihren Äußerungen den Eindruck erweckt, dass die Zahl der in Deutschland verschickten Briefe drastisch sinkt und die Zeit der Briefpost sich dem Ende neigt, ist nicht haltbar. Auch wenn die Deutsche Post AG selbst weniger Briefsendungen verschickt, versenden ihre Konkurrenten mehr. Es ist, wie man dem Tätigkeitsbericht 2016/17 der Bundesnetzagentur entnehmen kann (ebd. S. 14), seit Jahren ein stabiles Aufkommen von ca. 16 Mrd. Briefsendungen pro Jahr zu verzeichnen.

Mein Fazit: Die Weisheit gilt weiterhin

Die Weisheit gilt bis auf weiteres weiterhin. Der analoge Spendenbrief ist nach wie vor unverzichtbar im Fundraising-Mix. Insbesondere für die Pflege von SpenderInnen ist er das Mittel der Wahl. Der Papierbrief ist in einer mehr und mehr digitalisierten Welt ein Medium, das die persönliche Wertschätzung und Ansprache überzeugend transportieren kann. Zudem entgeht er der Gefahr, in der Flut elektronischer Nachrichten unterzugehen, sticht durch seine physische Präsenz im Briefkasten hervor. Mit der Physis ist auch die Haptik verbunden, eine weitere kategoriale Unterscheidung zu den elektronischen Medien.

Auch für die Neuspendergewinnung mittels gemieteter Kaltadressen wird der Spendenbrief noch einige Jahre, zumindest für die SpenderInnen der Wiederaufbauergeneration, eine Rolle spielen. Zweifel daran, dass sich die Babyboomer oder die Generation X in Zukunft von diesem Medium noch als Neuspender ansprechen lassen, scheinen nicht unbegründet zu sein. Es wird mehr und mehr darum gehen, den Fundraising-Mix an die gewandelten Kommunikationsgewohnheiten anzupassen und damit auszuweiten. Ob dann der Spendenbrief im Rahmen der Spenderpflege für diese Generationen ein probates Mittel bleiben wird, muss sich erst zeigen.

Für große Mitgliederorganisationen wie den Kirchen oder bestimmte Wohlfahrtsverbände macht die Neuspendergewinnung per Brief weiterhin sehr viel Sinn. Die Responsequoten und der ROI bei Mailings an Mitglieder, die bislang NichtspenderInnen waren, liegen i.d.R. weit über den Zahlen von gemieteten Adressen für die Kaltaquise. Meist schaffte man mit Mitgliedermailings auf Anhieb den break-even. So gilt hier von Beginn an: „Money comes from paper.“

Bild: StefanHoffmann by pixabay.de under creative commons licence

„Money follows vision“ aka „Money follows mission“ (Fundraising-Weisheit #6)

„Wie bitte? Ein Handgriff an den Stufen zur Kirchentür?“ Ich war etwas konsterniert ob dieses Vorschlags für die jährliche Spendenaktion. Ich fand das Projekt ziemlich unattraktiv. Ein kaltes Stück Metall. Ich widerstand dem Impuls zu sagen: „Nee, das ist aussichtslos. Ich weiß es besser. Schlagt Euch das mal aus dem Kopf.“ Stattdessen fragte ich das Fundraisingteam: „Wer, denkt Ihr, spendet dafür?“

Die Antwort war unerwartet und überzeugte mich. Die Pfarrerin und Kirchenvorstand erklärten, dass die Gottesdienstbesucher*innen, die auf einen Rollator oder einen Gehstock angewiesen sind, über die Rampe durch einen Nebeneingang in die Kirche kommen. Viele von ihnen würden sich jedoch liebend gern nach dem Gottesdienst persönlich von der Pfarrerin oder dem Pfarrer an der Kirchentür verabschieden. Ein kurzer Kontakt, der vielen von Ihnen wichtig ist. Doch der fehlende Handlauf ließ sie nicht zu den Stufen gehen.

Und tatsächlich, es war ein gutes Projekt. Es war schnell ausfinanziert und auch ein Schlossereibetrieb meldete sich in der Gemeinde und bot an, das Geländer allein zu den Materialkosten zu realisieren.

Ein Tanztheater in eine Kirche?!

„Wie bitte? Ein Tanztheater in der Kirche?“ Diese Frage wird sich so manch ein Mannheimer Bürger und wohl auch Kulturschaffender 2016 gestellt haben. Da hatte die Evangelische Kirche in Mannheim nach einem Ideenwettbewerb beschlossen, die seit Jahren nicht mehr genutzte Trinitatiskirche für zunächst fünf Jahre dem La-Troittier Dance Collective als Proben- und Aufführungsraum zur Verfügung zu stellen.

Das Projekt, der Entwurf für die Innengestaltung der Kirche, vor allem aber auch die Energie der Bewerber, Eric Troittier und Daria Holme, steckten an. Sie hatten eine Vision, die fesselte. Sie überzeugte in der Folge auch die Stadt Mannheim, das Land Baden-Württemberg und den Bund. Von allen wird das entstandene EinTanzhaus binnen kurzer Zeit mit mehreren hunderttausend Euro gefördert. Es bildete sich ein Förderkreis, Unternehmen wurden auf das Projekt und die neue Eventlocation aufmerksam.

Nach nur neun Monaten Umbauzeit eröffnete am 30.9.2017 das EinTanzhaus in der Trinitatiskirche seine Pforten. Das Projekt und das Programm waren von Beginn an ein großer Erfolg. Die mediale Aufmerksamkeit war seit der Entscheidung für das Tanzensemble riesig.

Wann zündet eine Idee?

„Money follows vision“ oder wie mein Kollege Paul Dalby zu sagen pflegt: „Das Geld folgt den guten Ideen.“

Es gehört zu den grundlegenden Wahrheiten im Fundraising, dass mindestens 50% des Erfolgs einer Fundraisingaktion von der Qualität des Projekts abhängen. Doch wann ist eine Idee gut? Wann trägt eine Vision?

Es reicht nicht, wenn wir als Projektverantwortliche von unseren eigenen Ideen überzeugt und begeistert sind. Ich habe schon einige Projekte scheitern sehen, von denen Vorstände und Geschäftsführer überzeugt waren. Doch dann mussten sie erfahren, dass trotz aller Anstrengungen bei weitem nicht genug Spenderinnen und Spender gefunden werden konnten. Für nicht wenige Verantwortliche war das eine narzistische Kränkung.

Die Durchführung einer Spendenaktion ist auch immer so etwas wie ein Realitäts- bzw. Relevanzcheck.

Ob ein Projekt relevant ist, erfährt man entweder durch die spontane Anteilnahme vieler Menschen an der Idee. Aber auch die Einschätzung von relevanten Anspruchsgruppen ist wertvoll. Ob etwa die Gründung einer Stiftung Aussicht auf Erfolg hat, findet man heraus, wenn darüber mit den besonders verbundenen Spender*innen in privater Atmosphäre gesprochen wird, noch bevor man damit an die Öffentlichkeit geht. Die Pfarrer der oben erwähnten Kirchengemeinde wussten aus Gesprächen zwischen Tür und Angel, dass ein Geländer an der Kirchentür relevant ist.

Was aber war bzw. ist die gute Idee am EinTanzhaus in der Trinitatiskirche? Sicherlich, die Aussicht darauf, dass die freie Tanzszene in Mannheim und der Region nach Jahren und Jahrzehnten endlich die Möglichkeit hatte, eine attraktive Proben- und Spielstätte zu bekommen, war von Relevanz für die politischen Entscheider in der Kulturförderung. Doch da war auch ein ästhetisches Moment, das begeisterte, ja inspirierte.

Es entstand der Ausblick auf etwas Neues, das es noch nicht gab. Da gab es das Versprechen auf das Zusammenspiel eines einzigartigen Baudenkmals mit einem modernen Tanzensemble. Es gab das Versprechen auf neue Vitalität in leerstehenden Kirchenmauern.

Relevant sind Projekte damit oft, wenn sie ein innovatives Moment haben, wenn sie eine Situation zum Besseren verändern. Etwas neues schaffen, die Situation von Menschen in Not ändern, das sind starke Attraktoren und Visionen für Unterstützer*innen. Sie wollen Wirkung erzielen.

Kommunikation und Vertrauen sind die anderen 50%

Die anderen 50% des Erfolgs einer Fundraisingaktion bestehen z.T. in der effektiven Kommunikation des Projekts, seiner Vision und seiner Erfolge. Denn wenn die richtigen Zielgruppen von der guten Idee nicht erfahren, bleibt die notwendige Unterstützung aus. Es geht also um handwerklich bzw. fachlich saubere Kommunikation.

Insbesondere bei Projekten, die sich erst bewähren müssen oder noch realisiert werden, geht es bei aller Begeisterung darum darzustellen, wie das Ziel erreicht werden kann. Die ersten und die nächsten Schritte müssen nachvollziehbar und realistisch geschildert werden.

So wird Vertrauen in das Projekt und die damit verbundenen Akteure und ihre Organisation aufgebaut. Vertrauen, vor allem in die Leistungsfähigkeit und Kompetenz der NGO, ist für Spender*innen eminent wichtig.

fivty-fifty im Verhältnis Idee zu Handwerk? So einfach ist es nicht. Die Fundraising-Weisheit „Money follows vision“ spricht der Vision, der guten Idee, wohlweißlich die erste Stelle zu. Sie ist der wesentliche Treiber einer guten Fundraisingaktion.

(Bild: jonbonsilver by pixabay.com)

Quellen:

Dalby, Paul: Das Geld folgt den guten Ideen, in: Fundraiser (2/2011), https://fundraiser-magazin.de/files/archiv/pdf/fundraiser_22_2011-02.pdf, zuletzt aufgerufen am 13.7.2011, S.96

Roboter zahlen keine Kirchensteuer

Die Automatisierung in der Arbeitswelt hat absehbar Folgen für das Kirchensteueraufkommen. Wie soll darauf reagiert werden?

Der Legende nach, gab es zwischen John Ford II und Walter Reuther, dem Chef der Autobauergewerkschaft folgende Episode. Sie gingen Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre durch eine der ersten automatisierten Ford-Fabriken. Da fragte John Ford: „Walter, wie willst Du Roboter dazu bringen, Gewerkschaftsbeiträge zu zahlen?“  Dieser soll geantwortet haben: „Wie willst Du Roboter dazu bringen, Deine Autos zu kaufen?“

Das war noch weit vor der digitalen Revolution. Und doch wurde bereits über die ökonomischen Folgen der Automatisierung für die Gesellschaft nachgedacht. Seit 2015 forderte der Gründer von Microsoft, Bill Gates, die Einführung einer Robotersteuer. Er geht davon aus, dass die fortschreitende Automatisierung zum dauerhaften Verlust von vielen Arbeitsplätzen führen wird. In der Industrie werden mehr und mehr Roboter menschliche Arbeiter ersetzen. Aber auch im Verwaltungs-, Gesundheits- und Dienstleistungsbereich ersetzen Verfahren der künstlichen Intelligenz (KI) Sachbearbeiter, Ärzte und Berater.

Bill Gates fürchtet, dass den Staaten die Einnahmen aus der Lohn- und Einkommenssteuer wegbrechen, weil die erwerbstätige Bevölkerung signifikant schrumpfen wird.

Denn es ist noch lange nicht ausgemacht, dass in gleichem Umfang neue Jobs entstehen wie alte wegfallen, was Kritiker der Robotersteuer vorhersagen.

Nun hängt die Kirchensteuer bekanntermaßen an der Lohn- und Einkommenssteuer. Lohn- und Einkommenssteuer sind die Berechnungsgrundlage für die Kirchensteuer (8 bzw. 9%). So werden nicht allein die alternde und schrumpfende Bevölkerung bzw. Mitgliedschaft sowie Kirchenaustritte zum dauerhaften Rückgang der Kirchensteuer führen. Die Folgen der Automatisierung drohen diese Entwicklung weiter zu verschärfen.

Während der Staat den Einbruch bei der Lohn- und Einkommenssteuer durch die Besteuerung der Automatisierungsmittel ausgleichen könnte, steht den Kirchen dieser Weg nicht zur Verfügung.

Die Kirchen werden diese weiteren Einnahmerückgänge adaptieren und/oder ihre Einnahmequellen erweitern müssen.

Nun wäre es hier ein Leichtes zu schreiben, dass ein verstärktes kirchliches Fundraising die Antwort auf diese absehbare Herausforderung sei. Das mag tatsächlich ein Teil der Antwort werden. Doch welche Auswirkungen die gesellschaftlichen Folgen der Automatisierung für das Spendenaufkommen insgesamt hat, ist auch noch zu klären

Zunächst gilt es für die Kirchen, die Entwicklungen im eigenen Interesse genau zu analysieren und zu bedenken. Es kommen große Veränderungen auf uns zu, auf Kirche und Gesellschaft.

(Bild: © PaulM by pixabay.com)

Links:

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Bill Gates fordert Roboter-Steuer; http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/netzwirtschaft/automatisierung-bill-gates-fordert-roboter-steuer-14885514.html; zuletzt aufgerufen 20.6.2018.

Lobe, Adrian: Sollten Roboter Steuern zahlen?, https://www.spektrum.de/kolumne/sollten-roboter-steuern-zahlen/1462207, 6.6.2017, zuletzt aufgerufen am 14.6.2018.

Quoteinvestigator: https://quoteinvestigator.com/2011/11/16/robots-buy-cars/, zuletzt aufgerufen am 20.6.2018.

Spät, Patrick:  Adieu, Jobs! Willkommen, Maschine!, https://www.zeit.de/karriere/2015-01/kapitalismus-arbeitsplaetze-digitalisierung-maschinen, 9.2.2015, zuletzt aufgerufen am 14.6.2018.

„The board gives first.“ – Der Vorstand spendet als Erstes (Fundraisingweisheit #4)

Das eigene Spendenverhalten des Vorstands hat maßgeblichen Einfluss auf den Erfolg des Fundraising einer Organisation. Ein Lackmustest für andere Spender*innen. Oftmals noch heikel anzusprechen, aber unumgänglich.

Wie macht man sich als bei einem großen Teil des Vorstands seiner Organisation unbeliebt? Indem man fragt, wieviel die Vorstandsmitglieder selbst bei der anstehenden Fundraisingaktion geben werden. Auf die Frage folgt häufig betretenes oder ungläubiges Schweigen.  Der eine oder die andere sagen nach kurzer Pause: „Wir engagieren uns dermaßen stark ehrenamtlich, das muss reichen. Andere sollen bitte spenden.“

Auf den ersten Blick mag das logisch und gerecht klingen. Die einen bringen Zeit und Arbeitskraft ein, die anderen engagieren sich mit Geld. Doch so einfach ist die Sache nicht.

Die Spende für das eigene Projekt ist ein kaum zu überbietendes Bekenntnis des Vorstands zur eigenen Organisation.

Besser kann ein Leitungsgremium kaum dokumentieren, dass es dem eigenen Projekt vertraut und von der Arbeit des Vereins bzw. der Gemeinde tatsächlich überzeugt ist.

Das ist umso wichtiger, wenn Spenden in persönlichen Gesprächen eingeworben werden. Die Antwort auf die Frage „Haben Sie selbst für das Projekt gespendet?“ ist wie ein Lackmustest für potentielle Spender. Wie wollen wir uns als Vorstände fühlen, wenn jemand uns diese Frage stellt?

Vor einigen Jahren habe ich eine Kirchengemeinde beraten, die in kurzer Zeit 25.000 Euro für die Sanierung der Aufhängung ihrer Kirchenglocken benötigte. Es war Ende Mai, als wir das erste Mal zusammensaßen. Im August mussten die Arbeiten starten. Es war klar, dass wir die Summe in so kurzer Zeit nur durch Gespräche mit hochverbundenen Gemeindegliedern und Altspendern zusammenbekommen.

In einer Fundraisinggruppe mit Vertretern der Gemeindeleitung und zwei gut vernetzten Mitgliedern klärten wir, wen wir wie und durch wen ansprechen. Unvermittelt sagte eine Frau aus dem Kirchenvorstand:

„Auch ich spende 500 Euro. Das macht es mir leichter, die anderen zu bitten.“

Touché. Sie hatte es auf den Punkt gebracht. Wenn sie selbst für das Projekt spendet, dann fällt es ihr leichter andere Menschen um Spenden zu bitten. Sie kann selbstsicherer auftreten und authentisch für das Projekt werben. In der Folge sagten weitere Mitglieder der Fundraisinggruppe, dass sie nach ihren Möglichkeiten spenden würden.

Auch das ist wichtig: Es geht nicht darum, dass alle das Gleiche oder überdurchschnittliche Beträge geben, sondern einen ihren Möglichkeiten angemessenen Beitrag.

Die Spende für das eigene Projekt, den eigenen Verein, ist nicht nur ein klares Bekenntnis, sondern sie zeigt Spendern und Mitgliedern, dass der Vorstand sich für den Erfolg des Fundraisings tatsächlich verantwortlich fühlt und einsetzt. Zudem macht die eigene Spende Spendergespräche wesentlich leichter.

„Würdest Du selber für Deine Organisation spenden?“ Allein das eigene Verhalten beantwortet diese Frage.

(Bild: domeckopol by pixapay.com)

Wer zahlt wie viel Kirchensteuer? – Unbequeme Wahrheiten

Eigentlich darf es nicht verwundern, dass sich die allgemeine Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen auch in der Zusammensetzung der kirchensteuerzahlenden Mitglieder widerspiegelt. Dieser Umstand ist eine Herausforderung für das kirchliche Selbstverständnis und die kirchliche Kommunikation mit den Mitgliedern, will man sie strategisch gestalten.

Aktuell laufen die Berechnungen für die Kirchensteuerprojektion 2030. Wie die Zahlen genau ausfallen, ist noch unbekannt. Unabhängig von den konkreten Ergebnissen dieser Untersuchungen hält die bewusste und intensive Beschäftigung mit der genauen Zusammensetzung des Kirchensteueraufkommens einige organisationale und theologische Herausforderungen bereit.
Wovon man bereits jetzt ausgehen kann, ist die Binsenweisheit, dass sich die Kirchenmitglieder nicht grundsätzlich von der der Gesamtbevölkerung unterscheiden hinsichtlich ihres individuellen (Kirchen-)Steuerbeitrags. So ist ein Blick auf die Statistik der Einkommenssteueranteile interessant. (Vgl.: http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61772/einkommensteueranteile).

Diagramm Einkommenssteueranteile 2011 Deutschland
Einkommensteueranteile 2011 Deutschland – Bundeszentrale für politische Bildung (creative commons)

Da die Lohn- und Einkommenssteuer die Berechnungsgrundlage für die Kirchensteuer bildet, erhält man hier eine Einschätzung über die Beiträge der verschiedenen Einkommensklassen zur Kirchensteuer. Abhängig von den jeweiligen Landeskirche und Bistümern werden 8 bzw. 9% der gezahlten Lohn- und Einkommenssteuer als Kirchensteuer erhoben. Sollte sich die entsprechende Verteilung bei den Kirchenmitgliedern vom Bundesschnitt unterscheiden dann dergestalt, dass etwas weniger Menschen in den unteren und etwas mehr Menschen in den höheren Zehntel angesiedelt sein dürften. Das legen zumindest die Ergebnisse verschiedener Mitgliederbefragungen nahe.
Nach der Statistik der Einkommenssteueranteile ist es so, dass »[…] sich [2011] der Anteil der oberen 10 Prozent der Einkommensteuerpflichtigen am Gesamtbetrag der Einkünfte auf 36,4 Prozent und der Anteil der untersten 50 Prozent auf 16,2 Prozent. Beim obersten Prozent lag der Anteil am Gesamtbetrag der Einkünfte bei 12,5 Prozent, der Anteil am Einkommensteueraufkommen betrug 22,0 Prozent« (bpb).

Die Unterschiede bei der Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland spiegeln sich in den Einkommens- und Vermögensverhältnissen der Mitglieder der großen (Volks-)Kirchen wider.

Knapp 40% der Mitglieder der evangelischen Landeskirche in Baden zahlen Kirchensteuer. Rund 60% der Mitglieder (Kinder, Jugendliche, Renter, Menschen und Ehepaare mit Einkommen unterhalb der Bemessungsgrenze) zahlen keine Kirchensteuer. Dieser Fakt ordnet die genannten Zahlen weiter ein.

Wenn wir von der evangelischen Kirche sprechen, reden wir einmal von ihr als Teil der Versammlung der Gläubigen, als geistlicher Gemeinschaft. Zum andern sprechen wir von der konkreten Organisation mit der Rechtsform „Körperschaft des öffentlichen Rechts“. Je nach Blickwinkel betrachten wir die evangelische Kirche als geistlich-ideelle oder als juristisch-organisationale Größe. Diese Blickwinkel treten zwangsläufig in Spannung zueinander.

Für den Glauben evangelischer Prägung ist von zentraler Bedeutung, dass alle Menschen vor Gott gleich sind.

Sie sind alle zugleich Sünder und Gerechte, wie Martin Luther es formulierte. Und deshalb sollen soziale Unterschiede beim Miteinander innerhalb der Kirche, beim gemeinsamen Gebet und Gottesdienst, keine Rolle spielen. Die biblischen Texte über die ersten Gemeinden in Jerusalem und Korinth (Apostelgeschichte 2,37-47; 1. Korintherbrief 11,17-22) beschreiben bereits gleichermaßen das Ideal und die Konflikte, die es von Anbeginn gab.

Doch wenn sich die Evangelische Kirche als Organisation, welche sich vornehmlich aus der Kirchensteuer finanziert, strategische Gedanken über die Zukunft macht, kommt sie nicht umhin, hinsichtlich der finanziellen Möglichkeiten ihrer Mitglieder Unterschiede zu machen. Es macht finanziell nun einmal einen gravierenden Unterschied, ob Mitglieder austreten, die zu den oberen zehn oder gar dem obersten einem Prozent der Einkommensteuerpflichtigen gehören, oder ob Mitglieder der Organisation Kirche den Rücken zukehrt, die keine oder wenig Kirchensteuer zahlen.

Auch macht es finanziell einen Unterschied, ob ein Mitglied mit Mitte 50 austritt oder mit Eintritt ins Berufsleben, etwa mit Mitte 20. Wenn ein Mitglied mit 25 sein weiteres Leben lang Mitglied seiner Kirche bleibt, zahlte es durchschnittlich 28.000 Euro Kirchensteuer.

Es geht bei diesen m.E. notwendigen Unterscheidungen nicht darum, ob mit den Besserverdienenden zu Lasten der anderen Mitglieder kommuniziert wird. Es geht im Sinne einer ziel- und zielgruppenorientierten Kommunikation darum, dass bei Inhalt und Form Unterschiede gemacht werden.

„Behandle Gleiches gleich und Ungleiches ungleich.“
(frei nach Aristoteles, Nikomachische Ethik)

Das ist nicht nur weise mit Blick auf die Organisation, sondern wird auch den verschiedenen Bedürfnissen, Beiträgen und Lebenssituationen gerecht. Ein Problem, das der Struktur nach auch bei der Kommunikation mit Großspendern und den anderen Förderern in einer NPO auftritt.

Wie diese differenzierende Kommunikation der Kirche genau aussehen kann, muss gründlich diskutiert werden. Wenn man sich den Unterschied zwischen den ideell-theologischen und den organisationalen Aspekten immer wieder ins Gedächtnis ruft, dann wird man auch daran erinnert, dass die Unterschiede, welche die Organisationen machen müssen, im Glauben aufgehoben sind.

(Bild: Alexandra_Koch by pixabay.com (creative commons))

Quellen:

Bundeszentrale für politische Bildung: Einkommenssteueranteile, http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61772/einkommensteueranteile, zuletzt aufgerufen am 13.5.2018.

Bundeszentrale für politische Bildung: Vermögensverteilung, http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61781/vermoegensverteilung, zuletzt aufgerufen am 13.5.2018.

 

„Danke, bevor die Sonne sinkt“ (Fundraising-Weisheit #3)

Dieser Klassiker geht auf den Doyen des Fundraisings in Deutschland zurück: Lothar Schulz. Er war jahrzehntelang der Fundraiser der Stiftung Alsterdorf Hamburg.

„Danke, bevor die Sonne sinkt.“ (Lothar Schulz)

Auch der moderne Marketeer dürfte Schulz zustimmen. Denn er weiß, dass nach jeder (Kauf-/Spenden-)Entscheidung dem Aufkommen kognitiver Dissonanz vorzubeugen ist. Beim Spender soll kein Zweifel an seiner Spendenentscheidung entstehen. Zweifel, die aufkommen, wenn der Spender ewig nichts vom Empfänger hört und sich Fragen stellt wie: „Ist meine Spende überhaupt angekommen?“, „Wissen die Empfänger meine Spende überhaupt zu schätzen?“, „Brauchen die meine Spende überhaupt?“ Oder: „Hätte ich nicht besser an eine andere Organisation spenden sollen?“ Ein schneller Dank mildert die kognitive Dissonanz ab oder beugt ihr gar vor. Er erhöht die Wahrscheinlichkeit weiterer Spenden in der Zukunft.

„So fühlt man Absicht, und man ist verstimmt.“ (J.W. v. Goethe, Torquato Tasso, 2. Akt, 1. Auftritt) Dieses Zitat bringt die Gefahr eines allzu mechanistischen Vorgehens gegen das mögliche Aufflammen kognitiver Dissonanz auf den Punkt. Weshalb bin ich irritiert, wenn mich der Autohändler ca. zehn Tage nach dem Kauf meines neuen Wagens anruft? Er möchte sich versichern, dass ich mit meiner Entscheidung noch zufrieden bin. Weil ich ahne, dass es ihm weniger um mich, sondern mehr um die Absicherung seines Verkaufs geht. Legitim und schlau aber auch berechnend.

Lothar Schulz ging es bei seinem Fundraisingansatz immer darum, die Perspektive der Spender in den Vordergrund zu rücken. Das ist die Konsequenz einer wahrhaft empathischen Grundhaltung zu den Unterstützern. Im Unterschied zu Konsumgütern geht es im Nonprofit-Bereich um ideelle Werte, die geteilt werden wollen. Die Beziehung zwischen Spendern und Organisation unterschiedet sich somit fundamental. Während ich beim Autohändler davon ausgehen darf, dass dieser für seinen eigenen Profit arbeitet, vertraue ich bei der Nonprofit-Organisation (NPO) darauf, dass sie sich primär den anderen, unseren Mitmenschen, Mitgeschöpfen und der Gemeinschaft verpflichtet fühlt. Damit ist die moralische Fallhöhe für NPOs deutlich größer als bei Unternehmen, sollte dieses Vertrauen nachhaltig irritiert oder enttäuscht werden.

Wahrer Dank entspringt nicht dem Kalkül, sondern der Verbundenheit im Geiste, in der Sache und dem Respekt voreinander. Dass ein schnelles und von Herzen kommendes „Dankeschön“ auch zukünftigen Spenden zuträglich ist, muss dabei nicht vergessen werden.

Literatur:

  • Leon Festinger: Theorie der Kognitiven Dissonanz. Huber Verlag Bern, 2012.
  • Hans Raffée (Autor),‎ Bernhard Sauter (Mitwirkende),‎ Günter Silberer (Mitwirkende): Theorie der kognitiven Dissonanz und Konsumgüter-Marketing: Der Beitrag der Theorie der kognitiven Dissonanz zur Erklärung und Gestaltung von Kaufentscheidungen bei Konsumgütern, Gabler Wiesbaden, 1973.

(Foto: © RitaE by pixabay.com)

Schnellere Fotoprotokolle (Praxistipp)

Fotoprotokolle können zuweilen mühsam zu erstellen sein. Die Bilder müssen zugeschnitten, Helligkeit und Kontrast geändert werden. Dann stimmt die Reihenfolge der Aufnahmen nicht mit dem zeitlichen oder logischen Verlauf überein.

Es gibt zwei Dinge, welche die Arbeit sehr erleichtern:

  1. Fotoscanner-Apps für das Smartphone
  2. Präsentationssoftware (PowerPoint, Impress etc.) mit Fotogaleriefunktion

Zum Fotografieren der Flipcharts sind Apps zum Scannen mit der Smartphonekamera der normalen Fotoapp vorzuziehen. Viele dieser Apps beschneiden die Bilder und optimieren die Farben automatisch. Es gibt unzählige Apps in diesem Bereich. Unter den kostenfreien sind für Flipcharts Microsofts Office Lens, die Kamerafunktion von Evernote und das aus Frankreich stammende Genius Scan ganz vorne dabei. Alle gibt es für Android und iOs. Wer eine OpenSource-Lösung sucht, sollte sich unter Android den Open Note Scanner ansehen. Doch vom Komfort der anderen ist diese grundsolide App weit entfernt.

Die Scanner

Evernote: Schneller geht’s nicht

Evernote Camera (Screenshot)
Evernote Camera (Screenshot)

Wer Evernote bereits nutzt, sollte einen Blick auf die Kamerafunktion werfen. Man erzeugt eine neue Fotonotiz. Die Kamerafunktion erkennt die Vorlagenart automatisch. Vor dem nächsten Foto fügt man am besten einen Absatz ein und nimmt dann die nächste Aufnahme auf.

Im Prinzip hat man damit auch schon das Fotoprotokoll fertig. Sofern nichts mehr nachbearbeitet oder umsoriert werden muss. Man fügt eine Titelseite ein, gibt die Notiz frei oder druckt das Protokoll auf Papier bzw. in eine PDF-Datei. Dabei kann dann auch die Auflösung der Bilder auf 150 dpi heruntergesetzt werden, was die Dateigröße verringert.

Natürlich können die Bilder einer Notiz herunterladen werden, um sie in anderen Programm weiterzubearbeiten und in ein fertigtes Layout einzufügen. Dazu öffnet man die entsprechende Notiz und führt folgenden Befehl aus:

Datei > Anhänge speichern ...

Evernote legt die Bilder und Notizen in einer US-amerikanischen Cloud ab. Wer das nicht will oder darf, für den könnte eine der folgenden Lösungen gut sein.

Office Lens: Cloudlos

Office Lens (screenshot)
Office Lens (screenshot)

Auch Microsofts App Office Lens erhält man kostenlos. Erfreulich: Die App kommt ohne Werbeeinblendungen und In-App-Käufe daher. (NB: Die Datenschutzbestimmungen sollte man sich dennoch angucken.)

Mit der App nimmt man die verschiedenen Flipcharts etc. nacheinander auf. Dabei sollte man über das Optionsmenü die Einstellung „Whiteboard“ auswählen, um die Qualität der Aufnahmen weiter zu verbessern. Die Aufnahmen werden unter Android als einzelne Bilder in der Galerie gespeichert (Pfad: .../Phone/Pictures/Office Lens). Office Lens bietet keine Möglichkeit, die Bilder als Mehrseitendatei (z.B. PDF oder auch Evernote) zu exportieren oder zu arrangieren.

Genius Scan: Stapelbar, flexibel

Geniusscan (Screenshot)
Geniusscan (Screenshot)

Mein Favorit ist die aus Frankreich stammende App Genius Scan für Android und iOs. Sie ist auch als erweiterte und werbefreie Kaufversion (Genius Scan+) erhältlich. Die Oberfläche ist deutsch. Sie verfügt über einen Einzel- und einen Stapelaufnahmemodus, arbeitet wahlweise manuell oder automatisch. Die Daten werden in der kostenlosen Version nur auf dem Smartphone gespeichert. In der Plus-Version kann das Programm mit allen möglichen Onlinespeichern, auch dem eigenen Netzlaufwerk,  verbunden werden. Bereits die kostenlose Version exportiert JPEG als auch mehrseitige PDF-Files. Der Ausgabepfad kann selbst festgelegt werden.

Der Hersteller The Grizzly Labs weist ausdrücklich darauf hin, dass die Bilder im Handy und nicht auf einem externen Server bearbeitet werden. Damit scheint GeniusScan auch datenschutzrechtlich die beste Wahl zu sein. Bereits die kostenlose Version genügt für Fotoprotokolle.

Importieren und sortieren leicht gemacht – Impress, Powerpoint etc.

Es hat sich weithin rumgesprochen, dass die Präsentationsmodule der gängigen Office-Suiten für die Erstellung von Fotoprotokollen besser geeignet sind als die Textverarbeitungsteile. Der Umgang mit Bildern ist einfacher und über die Ansicht „Foliensortierung“ lässt sich die Reihenfolge der Bilder leicht neu bestimmen.

Die Funktion „Fotoalbum“ unter Impress oder Powerpoint habe ich lange nicht wahrgenommen. Sie unterstützt einen sehr beim Import eines ganzen Stapels an Bildern. Im Folgenden beschreibe ich das Vorgehen unter LibreOffice Impress. Es läuft unter MS Office ganz ähnlich.

  1. Eine neue Präsentation wird geöffnet. Sinnvollerweise wählt man als Folienformat „DIN A4“ (1.) aus, dann ist die Seite für den Druck vorbereitet.

    Neue Folie unter LO
    Neue Folie unter LO
  2. Dann wird die Funktion Fotoalbum aufgerufen (Einfügen > Medien > Fotoalbum ...).
  3. (1) Hier werden nun die zu importierenden Bilder ausgewählt. (2) Wählen Sie als Folienlayout „2 Bilder“ aus. Standardmäßig bieten Impress und Powerpoint keine hochformatigen Layouts an, in das man einzelne hochformatige Fotos einfügen kann. Eine solche Vorlage können Sie hier herunterladen oder in der Masteransicht selbst anlegen.
    (3) Die Beschriftung der einzelnen Bilder bitte abwählen, damit keine Bilderunterschriftsfelder erscheinen. (4) Jetzt können die ausgewählten Bilder importiert werden.

    LO Album importieren
    Fotoalbum importieren unter LO
  4. Nachdem nun alle Bilder auf Folien eingefügt worden sind, (1) wählen Sie die neuen Folien aus und (2) weisen ihnen das Layout „Titel und 2 Inhalte“ zu. Wenn man die Titelzeile nicht benötigt und die Bilder größer haben möchte, ändert man das in der Masteransicht, indem man das Titelelement auf ein Minimum verkleinert und das Inhaltselement vergrößert bzw. eine entsprechende zusätzliche Masterfolie anlegt. Das wirkt sich auf alle Folien aus, die auf der jeweiligen Masterfolie beruhen.

    Layout zuordnen in LO
    Layout zuordnen in LO
  5. Damit ist die Fotodokumentation fertig. Die Datei kann ausgedruckt oder als PDF abgespeichert werden.

(Foto: StockSnap by pixabay.com)

Links und Downloads:

„Fundraising is the principle of asking, asking again and asking for more.“ (Fundraising-Weisheit #2)

Die können wir nicht fragen, die haben bereits beim letzten Mal gespendet.“ Ein Satz, den ich bei Beratungen von Vorständen und Kirchengemeinderäten häufiger zu hören bekomme. Positiv aufgenommen, kann man das so verstehen, dass auch andere Menschen sich an der Finanzierung der Gemeinde oder des Projekts beteiligen sollen. An sich eine löbliche Haltung, doch erfahrungsgemäß nicht sonderlich effektiv.

Wer schon einmal mit einer Sammeldose von Haustür zu Haustür gegangen ist oder in einer Fußgängerzone um Spenden gebeten hat, der weiß, wie herausfordernd es ist, Spender zu gewinnen. Menschen, die im Vertrieb arbeiten, kennen diese Erfahrung.

Deswegen ist es für NGOs, Vereine und Gemeinden wesentlich effektiver, bereits gewonnene Spenderinnen erneut um Unterstützung zu bitten, als wieder neue Spender zu finden. Durch die Pflege und geplante Wiederansprache von Spenderinnen unterscheidet sich systematisches Fundraising vom einfachen Spendensammeln.

„Fundraising is the principle of asking, asking again and asking for more.“ (Kim Klein)

„Die Grundlage allen Fundraisings ist zu fragen, wieder zu fragen und nach mehr zu fragen.“, so könnte man den Merksatz von Kim Klein übersetzen, einer bekannten amerikanischen Fundraiserin. Dahinter steht die Erfahrung, dass es wesentlich wirtschaftlicher ist, vorhandene Spender erneut um Spenden zu bitten. Oft braucht es bei nichtkirchlichen Organisationen bis zu drei Durchschnittsspenden, bis der Aufwand für die Neuspendergewinnung die Erträge übersteigen.

Fundraising ist Teil der langfristigen Finanzierungsstrategie einer Organisation. Es ist ein auf Dauer angelegtes Vorgehen und soll einen verlässlichen Beitrag leisten.

Kim Kleins „Weisheit“ liegt auch die Einsicht zugrunde, dass die Beziehung zwischen Organisation und Spender wachsen kann. Das allein auf die Spendenhöhe oder -häufigkeit zu beziehen, würde die Gründe ausblenden, die es aussichtsreich machen, wiederholt und um mehr zu bitten.

Die Beziehung wächst in dem Maße, in dem die Organisation verlässlich mit der Spenderin kommuniziert. Das fängt an mit dem schnellen Dank für die Spende und geht weiter mit Informationen über die Verwendung und die Wirkung der Mittel. So baut sich Vertrauen auf. Die Spenderinnen erfahren, dass ihr Engagement Sinn ergibt.

Vertrauen ist die Grundlage dafür, die Spender erneut und in der Folge auch gezielt um mehr zu fragen. Dabei geht die NGO einerseits darauf, dass der Spender selbst entscheidet, ob und wofür er spenden möchte. Andererseits soll der Spender darauf vertrauen dürfen, dass die NGO ihn nicht unter Druck setzt.

Fundraising ist ein Kommunikationsprozess. In dem Maße, in dem eine NGO und ihre Spenderinnen miteinander kommunizieren, wird es für beide Seiten immer selbstverständlicher, über weitere Spenden zu sprechen. Und dann wird die Frage zu einem konkreten Angebot, sich weiterhin für einen guten Zweck zu engagieren.

(Bild: © geralt by pixabay.com)

Die Kirchensteuer – überall

Es war in Bretten an der Stiftskirche. Eines Tages waren der Zivi und ich dabei, das Tor zur Einfahrt auf den Kirchvorplatz zu schließen, da schoss ein Kleinwagen an uns vorbei und fuhr dem Zivi beinahe über die Zehen. Der Wagen parkte, ein Mann stieg aus und wollte eilends weg. Auf unsere Ansage hin, dass dies kein öffentlicher Parkplatz sei und er bitte wieder wegfahren solle, kam die Antwort: „Ich darf hier parken.  Ich zahle Kirchensteuer.“

Ob ausgesprochen oder unausgesprochen, das Thema „Kirchensteuer“ schwebt wie eine Wolke über  jeder  Kommunikation  mit unseren Mitgliedern, Sympathisanten, Ehrenamtlichen und Spendern. Und – meine These – je seltener diese Kommunikation geschieht, desto häufiger spielt das Thema eine Rolle, wenn es dann zum Kontakt kommt.

„Jahrelang habe ich Kirchensteuer gezahlt, ohne etwas in Anspruch zu nehmen  und jetzt, wo ich heirate, komme ich mir wie ein Bittsteller vor.“ Solche oder ähnliche Aussagen begegnen mir gelegentlich.

Auch manch Kirchensteuerzahler, der eine Spendenbitte von seiner Gemeinde erhält, reagiert mit den Worten:

„Ich zahle doch Kirchensteuer!“

Diese Reaktion kann so interpretiert werden, dass das Mitglied der Meinung ist, bereits genug zur Finanzierung der Kirche beizutragen. Das schwingt wohl oft mit. Doch es gibt da noch etwas anderes. Die Bitte um eine Spende wird m.E. häufig als undankbar und unzeitig empfunden. Denn der Beitrag, den man als Mitglied durch die Kirchensteuer leistet, wurde bislang nicht gewürdigt und gedankt.

Und ein Dank wäre angemessen, denn anders als bei staatlichen Steuern kann man sich der Kirchensteuer leicht und legal durch den Austritt entledigen. Aus Sicht von Mitgliedern, die nur selten in Kontakt mit ihrer Gemeinde oder anderen kirchlichen Einrichtungen sind, ist die Kirchensteuer so eher eine freiwillige Gabe. Sie wird vielleicht aus alter Verbundenheit gezahlt, ähnlich einer passiven Vereinsmitgliedschaft.

Ich kann die geschilderte Enttäuschung einiger Kirchensteuerzahler beim Erhalt von Spendenbriefen nachvollziehen. Dass die meisten Landeskirchen nicht wissen, wer die 30% ihrer kirchensteuerzahlenden Mitglieder sind, taugt nicht als Entschuldigung (Weshalb das so ist und ob das so bleiben muss, dazu ein andermal.). Es ist vielmehr ein wesentliches Teil des Problems. Denn es sind die Ortsgemeinden und ihre Mitarbeiter und Engagierten, die in den dichten Kommunikationszusammenhängen mit den Mitgliedern stehen. Über ihnen regnen die meisten der regelmäßigen Kirchensteuergewitter ab.

Was Not tut? Mehr, genauer und offener über das Thema Kirchensteuer miteinander kommunizieren. Und das gilt nicht nur oder primär in Hinblick auf die vielen Mitglieder, die nicht zur Kerngemeinde gehören, oder die allgemeine Öffentlichkeit. Da gibt es zwar schon gute Ansätze (siehe z.B. hier), aber auch noch viel zu tun. Mehr reden und informieren gilt vor allem auch für die MitarbeiterInnen, die Gremien und Kerngemeinden. Es geht um ein Bewusstsein um die finanziellen Grundlagen unserer Kirche. Davon hängt die Organisation Kirche ab.

Die Botschaft Jesu gilt allen Menschen, egal ob arm oder reich, ohne Unterschied. Doch die ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung in unserer Gesellschaft spiegelt sich bei unseren Mitgliedern weitestgehend wider. Als Organisation tut Kirche gut daran, dies wahrzunehmen und Aristoteles‘ ethisches Prinzip zu befolgen: Gleiches gleich zu behandeln und Ungleiches ungleich. Die Verdrängung oder Tabuisierung des Themas wird niemandem gerecht werden und nicht gut tun.

(Bild: © nisroh / pixabay.com)