„The board gives first.“ – Der Vorstand spendet als Erstes (Fundraisingweisheit #4)

Das eigene Spendenverhalten des Vorstands hat maßgeblichen Einfluss auf den Erfolg des Fundraising einer Organisation. Ein Lackmustest für andere Spender*innen. Oftmals noch heikel anzusprechen, aber unumgänglich.

Wie macht man sich als bei einem großen Teil des Vorstands seiner Organisation unbeliebt? Indem man fragt, wieviel die Vorstandsmitglieder selbst bei der anstehenden Fundraisingaktion geben werden. Auf die Frage folgt häufig betretenes oder ungläubiges Schweigen.  Der eine oder die andere sagen nach kurzer Pause: „Wir engagieren uns dermaßen stark ehrenamtlich, das muss reichen. Andere sollen bitte spenden.“

Auf den ersten Blick mag das logisch und gerecht klingen. Die einen bringen Zeit und Arbeitskraft ein, die anderen engagieren sich mit Geld. Doch so einfach ist die Sache nicht.

Die Spende für das eigene Projekt ist ein kaum zu überbietendes Bekenntnis des Vorstands zur eigenen Organisation.

Besser kann ein Leitungsgremium kaum dokumentieren, dass es dem eigenen Projekt vertraut und von der Arbeit des Vereins bzw. der Gemeinde tatsächlich überzeugt ist.

Das ist umso wichtiger, wenn Spenden in persönlichen Gesprächen eingeworben werden. Die Antwort auf die Frage „Haben Sie selbst für das Projekt gespendet?“ ist wie ein Lackmustest für potentielle Spender. Wie wollen wir uns als Vorstände fühlen, wenn jemand uns diese Frage stellt?

Vor einigen Jahren habe ich eine Kirchengemeinde beraten, die in kurzer Zeit 25.000 Euro für die Sanierung der Aufhängung ihrer Kirchenglocken benötigte. Es war Ende Mai, als wir das erste Mal zusammensaßen. Im August mussten die Arbeiten starten. Es war klar, dass wir die Summe in so kurzer Zeit nur durch Gespräche mit hochverbundenen Gemeindegliedern und Altspendern zusammenbekommen.

In einer Fundraisinggruppe mit Vertretern der Gemeindeleitung und zwei gut vernetzten Mitgliedern klärten wir, wen wir wie und durch wen ansprechen. Unvermittelt sagte eine Frau aus dem Kirchenvorstand:

„Auch ich spende 500 Euro. Das macht es mir leichter, die anderen zu bitten.“

Touché. Sie hatte es auf den Punkt gebracht. Wenn sie selbst für das Projekt spendet, dann fällt es ihr leichter andere Menschen um Spenden zu bitten. Sie kann selbstsicherer auftreten und authentisch für das Projekt werben. In der Folge sagten weitere Mitglieder der Fundraisinggruppe, dass sie nach ihren Möglichkeiten spenden würden.

Auch das ist wichtig: Es geht nicht darum, dass alle das Gleiche oder überdurchschnittliche Beträge geben, sondern einen ihren Möglichkeiten angemessenen Beitrag.

Die Spende für das eigene Projekt, den eigenen Verein, ist nicht nur ein klares Bekenntnis, sondern sie zeigt Spendern und Mitgliedern, dass der Vorstand sich für den Erfolg des Fundraisings tatsächlich verantwortlich fühlt und einsetzt. Zudem macht die eigene Spende Spendergespräche wesentlich leichter.

„Würdest Du selber für Deine Organisation spenden?“ Allein das eigene Verhalten beantwortet diese Frage.

(Bild: domeckopol by pixapay.com)

Wer zahlt wie viel Kirchensteuer? – Unbequeme Wahrheiten

Eigentlich darf es nicht verwundern, dass sich die allgemeine Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen auch in der Zusammensetzung der kirchensteuerzahlenden Mitglieder widerspiegelt. Dieser Umstand ist eine Herausforderung für das kirchliche Selbstverständnis und die kirchliche Kommunikation mit den Mitgliedern, will man sie strategisch gestalten.

Aktuell laufen die Berechnungen für die Kirchensteuerprojektion 2030. Wie die Zahlen genau ausfallen, ist noch unbekannt. Unabhängig von den konkreten Ergebnissen dieser Untersuchungen hält die bewusste und intensive Beschäftigung mit der genauen Zusammensetzung des Kirchensteueraufkommens einige organisationale und theologische Herausforderungen bereit.
Wovon man bereits jetzt ausgehen kann, ist die Binsenweisheit, dass sich die Kirchenmitglieder nicht grundsätzlich von der der Gesamtbevölkerung unterscheiden hinsichtlich ihres individuellen (Kirchen-)Steuerbeitrags. So ist ein Blick auf die Statistik der Einkommenssteueranteile interessant. (Vgl.: http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61772/einkommensteueranteile).

Diagramm Einkommenssteueranteile 2011 Deutschland
Einkommensteueranteile 2011 Deutschland – Bundeszentrale für politische Bildung (creative commons)

Da die Lohn- und Einkommenssteuer die Berechnungsgrundlage für die Kirchensteuer bildet, erhält man hier eine Einschätzung über die Beiträge der verschiedenen Einkommensklassen zur Kirchensteuer. Abhängig von den jeweiligen Landeskirche und Bistümern werden 8 bzw. 9% der gezahlten Lohn- und Einkommenssteuer als Kirchensteuer erhoben. Sollte sich die entsprechende Verteilung bei den Kirchenmitgliedern vom Bundesschnitt unterscheiden dann dergestalt, dass etwas weniger Menschen in den unteren und etwas mehr Menschen in den höheren Zehntel angesiedelt sein dürften. Das legen zumindest die Ergebnisse verschiedener Mitgliederbefragungen nahe.
Nach der Statistik der Einkommenssteueranteile ist es so, dass »[…] sich [2011] der Anteil der oberen 10 Prozent der Einkommensteuerpflichtigen am Gesamtbetrag der Einkünfte auf 36,4 Prozent und der Anteil der untersten 50 Prozent auf 16,2 Prozent. Beim obersten Prozent lag der Anteil am Gesamtbetrag der Einkünfte bei 12,5 Prozent, der Anteil am Einkommensteueraufkommen betrug 22,0 Prozent« (bpb).

Die Unterschiede bei der Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland spiegeln sich in den Einkommens- und Vermögensverhältnissen der Mitglieder der großen (Volks-)Kirchen wider.

Knapp 40% der Mitglieder der evangelischen Landeskirche in Baden zahlen Kirchensteuer. Rund 60% der Mitglieder (Kinder, Jugendliche, Renter, Menschen und Ehepaare mit Einkommen unterhalb der Bemessungsgrenze) zahlen keine Kirchensteuer. Dieser Fakt ordnet die genannten Zahlen weiter ein.

Wenn wir von der evangelischen Kirche sprechen, reden wir einmal von ihr als Teil der Versammlung der Gläubigen, als geistlicher Gemeinschaft. Zum andern sprechen wir von der konkreten Organisation mit der Rechtsform „Körperschaft des öffentlichen Rechts“. Je nach Blickwinkel betrachten wir die evangelische Kirche als geistlich-ideelle oder als juristisch-organisationale Größe. Diese Blickwinkel treten zwangsläufig in Spannung zueinander.

Für den Glauben evangelischer Prägung ist von zentraler Bedeutung, dass alle Menschen vor Gott gleich sind.

Sie sind alle zugleich Sünder und Gerechte, wie Martin Luther es formulierte. Und deshalb sollen soziale Unterschiede beim Miteinander innerhalb der Kirche, beim gemeinsamen Gebet und Gottesdienst, keine Rolle spielen. Die biblischen Texte über die ersten Gemeinden in Jerusalem und Korinth (Apostelgeschichte 2,37-47; 1. Korintherbrief 11,17-22) beschreiben bereits gleichermaßen das Ideal und die Konflikte, die es von Anbeginn gab.

Doch wenn sich die Evangelische Kirche als Organisation, welche sich vornehmlich aus der Kirchensteuer finanziert, strategische Gedanken über die Zukunft macht, kommt sie nicht umhin, hinsichtlich der finanziellen Möglichkeiten ihrer Mitglieder Unterschiede zu machen. Es macht finanziell nun einmal einen gravierenden Unterschied, ob Mitglieder austreten, die zu den oberen zehn oder gar dem obersten einem Prozent der Einkommensteuerpflichtigen gehören, oder ob Mitglieder der Organisation Kirche den Rücken zukehrt, die keine oder wenig Kirchensteuer zahlen.

Auch macht es finanziell einen Unterschied, ob ein Mitglied mit Mitte 50 austritt oder mit Eintritt ins Berufsleben, etwa mit Mitte 20. Wenn ein Mitglied mit 25 sein weiteres Leben lang Mitglied seiner Kirche bleibt, zahlte es durchschnittlich 28.000 Euro Kirchensteuer.

Es geht bei diesen m.E. notwendigen Unterscheidungen nicht darum, ob mit den Besserverdienenden zu Lasten der anderen Mitglieder kommuniziert wird. Es geht im Sinne einer ziel- und zielgruppenorientierten Kommunikation darum, dass bei Inhalt und Form Unterschiede gemacht werden.

„Behandle Gleiches gleich und Ungleiches ungleich.“
(frei nach Aristoteles, Nikomachische Ethik)

Das ist nicht nur weise mit Blick auf die Organisation, sondern wird auch den verschiedenen Bedürfnissen, Beiträgen und Lebenssituationen gerecht. Ein Problem, das der Struktur nach auch bei der Kommunikation mit Großspendern und den anderen Förderern in einer NPO auftritt.

Wie diese differenzierende Kommunikation der Kirche genau aussehen kann, muss gründlich diskutiert werden. Wenn man sich den Unterschied zwischen den ideell-theologischen und den organisationalen Aspekten immer wieder ins Gedächtnis ruft, dann wird man auch daran erinnert, dass die Unterschiede, welche die Organisationen machen müssen, im Glauben aufgehoben sind.

(Bild: Alexandra_Koch by pixabay.com (creative commons))

Quellen:

Bundeszentrale für politische Bildung: Einkommenssteueranteile, http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61772/einkommensteueranteile, zuletzt aufgerufen am 13.5.2018.

Bundeszentrale für politische Bildung: Vermögensverteilung, http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61781/vermoegensverteilung, zuletzt aufgerufen am 13.5.2018.

 

„Danke, bevor die Sonne sinkt“ (Fundraising-Weisheit #3)

Dieser Klassiker geht auf den Doyen des Fundraisings in Deutschland zurück: Lothar Schulz. Er war jahrzehntelang der Fundraiser der Stiftung Alsterdorf Hamburg.

„Danke, bevor die Sonne sinkt.“ (Lothar Schulz)

Auch der moderne Marketeer dürfte Schulz zustimmen. Denn er weiß, dass nach jeder (Kauf-/Spenden-)Entscheidung dem Aufkommen kognitiver Dissonanz vorzubeugen ist. Beim Spender soll kein Zweifel an seiner Spendenentscheidung entstehen. Zweifel, die aufkommen, wenn der Spender ewig nichts vom Empfänger hört und sich Fragen stellt wie: „Ist meine Spende überhaupt angekommen?“, „Wissen die Empfänger meine Spende überhaupt zu schätzen?“, „Brauchen die meine Spende überhaupt?“ Oder: „Hätte ich nicht besser an eine andere Organisation spenden sollen?“ Ein schneller Dank mildert die kognitive Dissonanz ab oder beugt ihr gar vor. Er erhöht die Wahrscheinlichkeit weiterer Spenden in der Zukunft.

„So fühlt man Absicht, und man ist verstimmt.“ (J.W. v. Goethe, Torquato Tasso, 2. Akt, 1. Auftritt) Dieses Zitat bringt die Gefahr eines allzu mechanistischen Vorgehens gegen das mögliche Aufflammen kognitiver Dissonanz auf den Punkt. Weshalb bin ich irritiert, wenn mich der Autohändler ca. zehn Tage nach dem Kauf meines neuen Wagens anruft? Er möchte sich versichern, dass ich mit meiner Entscheidung noch zufrieden bin. Weil ich ahne, dass es ihm weniger um mich, sondern mehr um die Absicherung seines Verkaufs geht. Legitim und schlau aber auch berechnend.

Lothar Schulz ging es bei seinem Fundraisingansatz immer darum, die Perspektive der Spender in den Vordergrund zu rücken. Das ist die Konsequenz einer wahrhaft empathischen Grundhaltung zu den Unterstützern. Im Unterschied zu Konsumgütern geht es im Nonprofit-Bereich um ideelle Werte, die geteilt werden wollen. Die Beziehung zwischen Spendern und Organisation unterschiedet sich somit fundamental. Während ich beim Autohändler davon ausgehen darf, dass dieser für seinen eigenen Profit arbeitet, vertraue ich bei der Nonprofit-Organisation (NPO) darauf, dass sie sich primär den anderen, unseren Mitmenschen, Mitgeschöpfen und der Gemeinschaft verpflichtet fühlt. Damit ist die moralische Fallhöhe für NPOs deutlich größer als bei Unternehmen, sollte dieses Vertrauen nachhaltig irritiert oder enttäuscht werden.

Wahrer Dank entspringt nicht dem Kalkül, sondern der Verbundenheit im Geiste, in der Sache und dem Respekt voreinander. Dass ein schnelles und von Herzen kommendes „Dankeschön“ auch zukünftigen Spenden zuträglich ist, muss dabei nicht vergessen werden.

Literatur:

  • Leon Festinger: Theorie der Kognitiven Dissonanz. Huber Verlag Bern, 2012.
  • Hans Raffée (Autor),‎ Bernhard Sauter (Mitwirkende),‎ Günter Silberer (Mitwirkende): Theorie der kognitiven Dissonanz und Konsumgüter-Marketing: Der Beitrag der Theorie der kognitiven Dissonanz zur Erklärung und Gestaltung von Kaufentscheidungen bei Konsumgütern, Gabler Wiesbaden, 1973.

(Foto: © RitaE by pixabay.com)

Schnellere Fotoprotokolle (Praxistipp)

Fotoprotokolle können zuweilen mühsam zu erstellen sein. Die Bilder müssen zugeschnitten, Helligkeit und Kontrast geändert werden. Dann stimmt die Reihenfolge der Aufnahmen nicht mit dem zeitlichen oder logischen Verlauf überein.

Es gibt zwei Dinge, welche die Arbeit sehr erleichtern:

  1. Fotoscanner-Apps für das Smartphone
  2. Präsentationssoftware (PowerPoint, Impress etc.) mit Fotogaleriefunktion

Zum Fotografieren der Flipcharts sind Apps zum Scannen mit der Smartphonekamera der normalen Fotoapp vorzuziehen. Viele dieser Apps beschneiden die Bilder und optimieren die Farben automatisch. Es gibt unzählige Apps in diesem Bereich. Unter den kostenfreien sind für Flipcharts Microsofts Office Lens, die Kamerafunktion von Evernote und das aus Frankreich stammende Genius Scan ganz vorne dabei. Alle gibt es für Android und iOs. Wer eine OpenSource-Lösung sucht, sollte sich unter Android den Open Note Scanner ansehen. Doch vom Komfort der anderen ist diese grundsolide App weit entfernt.

Die Scanner

Evernote: Schneller geht’s nicht

Evernote Camera (Screenshot)
Evernote Camera (Screenshot)

Wer Evernote bereits nutzt, sollte einen Blick auf die Kamerafunktion werfen. Man erzeugt eine neue Fotonotiz. Die Kamerafunktion erkennt die Vorlagenart automatisch. Vor dem nächsten Foto fügt man am besten einen Absatz ein und nimmt dann die nächste Aufnahme auf.

Im Prinzip hat man damit auch schon das Fotoprotokoll fertig. Sofern nichts mehr nachbearbeitet oder umsoriert werden muss. Man fügt eine Titelseite ein, gibt die Notiz frei oder druckt das Protokoll auf Papier bzw. in eine PDF-Datei. Dabei kann dann auch die Auflösung der Bilder auf 150 dpi heruntergesetzt werden, was die Dateigröße verringert.

Natürlich können die Bilder einer Notiz herunterladen werden, um sie in anderen Programm weiterzubearbeiten und in ein fertigtes Layout einzufügen. Dazu öffnet man die entsprechende Notiz und führt folgenden Befehl aus:

Datei > Anhänge speichern ...

Evernote legt die Bilder und Notizen in einer US-amerikanischen Cloud ab. Wer das nicht will oder darf, für den könnte eine der folgenden Lösungen gut sein.

Office Lens: Cloudlos

Office Lens (screenshot)
Office Lens (screenshot)

Auch Microsofts App Office Lens erhält man kostenlos. Erfreulich: Die App kommt ohne Werbeeinblendungen und In-App-Käufe daher. (NB: Die Datenschutzbestimmungen sollte man sich dennoch angucken.)

Mit der App nimmt man die verschiedenen Flipcharts etc. nacheinander auf. Dabei sollte man über das Optionsmenü die Einstellung „Whiteboard“ auswählen, um die Qualität der Aufnahmen weiter zu verbessern. Die Aufnahmen werden unter Android als einzelne Bilder in der Galerie gespeichert (Pfad: .../Phone/Pictures/Office Lens). Office Lens bietet keine Möglichkeit, die Bilder als Mehrseitendatei (z.B. PDF oder auch Evernote) zu exportieren oder zu arrangieren.

Genius Scan: Stapelbar, flexibel

Geniusscan (Screenshot)
Geniusscan (Screenshot)

Mein Favorit ist die aus Frankreich stammende App Genius Scan für Android und iOs. Sie ist auch als erweiterte und werbefreie Kaufversion (Genius Scan+) erhältlich. Die Oberfläche ist deutsch. Sie verfügt über einen Einzel- und einen Stapelaufnahmemodus, arbeitet wahlweise manuell oder automatisch. Die Daten werden in der kostenlosen Version nur auf dem Smartphone gespeichert. In der Plus-Version kann das Programm mit allen möglichen Onlinespeichern, auch dem eigenen Netzlaufwerk,  verbunden werden. Bereits die kostenlose Version exportiert JPEG als auch mehrseitige PDF-Files. Der Ausgabepfad kann selbst festgelegt werden.

Der Hersteller The Grizzly Labs weist ausdrücklich darauf hin, dass die Bilder im Handy und nicht auf einem externen Server bearbeitet werden. Damit scheint GeniusScan auch datenschutzrechtlich die beste Wahl zu sein. Bereits die kostenlose Version genügt für Fotoprotokolle.

Importieren und sortieren leicht gemacht – Impress, Powerpoint etc.

Es hat sich weithin rumgesprochen, dass die Präsentationsmodule der gängigen Office-Suiten für die Erstellung von Fotoprotokollen besser geeignet sind als die Textverarbeitungsteile. Der Umgang mit Bildern ist einfacher und über die Ansicht „Foliensortierung“ lässt sich die Reihenfolge der Bilder leicht neu bestimmen.

Die Funktion „Fotoalbum“ unter Impress oder Powerpoint habe ich lange nicht wahrgenommen. Sie unterstützt einen sehr beim Import eines ganzen Stapels an Bildern. Im Folgenden beschreibe ich das Vorgehen unter LibreOffice Impress. Es läuft unter MS Office ganz ähnlich.

  1. Eine neue Präsentation wird geöffnet. Sinnvollerweise wählt man als Folienformat „DIN A4“ (1.) aus, dann ist die Seite für den Druck vorbereitet.

    Neue Folie unter LO
    Neue Folie unter LO
  2. Dann wird die Funktion Fotoalbum aufgerufen (Einfügen > Medien > Fotoalbum ...).
  3. (1) Hier werden nun die zu importierenden Bilder ausgewählt. (2) Wählen Sie als Folienlayout „2 Bilder“ aus. Standardmäßig bieten Impress und Powerpoint keine hochformatigen Layouts an, in das man einzelne hochformatige Fotos einfügen kann. Eine solche Vorlage können Sie hier herunterladen oder in der Masteransicht selbst anlegen.
    (3) Die Beschriftung der einzelnen Bilder bitte abwählen, damit keine Bilderunterschriftsfelder erscheinen. (4) Jetzt können die ausgewählten Bilder importiert werden.

    LO Album importieren
    Fotoalbum importieren unter LO
  4. Nachdem nun alle Bilder auf Folien eingefügt worden sind, (1) wählen Sie die neuen Folien aus und (2) weisen ihnen das Layout „Titel und 2 Inhalte“ zu. Wenn man die Titelzeile nicht benötigt und die Bilder größer haben möchte, ändert man das in der Masteransicht, indem man das Titelelement auf ein Minimum verkleinert und das Inhaltselement vergrößert bzw. eine entsprechende zusätzliche Masterfolie anlegt. Das wirkt sich auf alle Folien aus, die auf der jeweiligen Masterfolie beruhen.

    Layout zuordnen in LO
    Layout zuordnen in LO
  5. Damit ist die Fotodokumentation fertig. Die Datei kann ausgedruckt oder als PDF abgespeichert werden.

(Foto: StockSnap by pixabay.com)

Links und Downloads:

„Fundraising is the principle of asking, asking again and asking for more.“ (Fundraising-Weisheit #2)

Die können wir nicht fragen, die haben bereits beim letzten Mal gespendet.“ Ein Satz, den ich bei Beratungen von Vorständen und Kirchengemeinderäten häufiger zu hören bekomme. Positiv aufgenommen, kann man das so verstehen, dass auch andere Menschen sich an der Finanzierung der Gemeinde oder des Projekts beteiligen sollen. An sich eine löbliche Haltung, doch erfahrungsgemäß nicht sonderlich effektiv.

Wer schon einmal mit einer Sammeldose von Haustür zu Haustür gegangen ist oder in einer Fußgängerzone um Spenden gebeten hat, der weiß, wie herausfordernd es ist, Spender zu gewinnen. Menschen, die im Vertrieb arbeiten, kennen diese Erfahrung.

Deswegen ist es für NGOs, Vereine und Gemeinden wesentlich effektiver, bereits gewonnene Spenderinnen erneut um Unterstützung zu bitten, als wieder neue Spender zu finden. Durch die Pflege und geplante Wiederansprache von Spenderinnen unterscheidet sich systematisches Fundraising vom einfachen Spendensammeln.

„Fundraising is the principle of asking, asking again and asking for more.“ (Kim Klein)

„Die Grundlage allen Fundraisings ist zu fragen, wieder zu fragen und nach mehr zu fragen.“, so könnte man den Merksatz von Kim Klein übersetzen, einer bekannten amerikanischen Fundraiserin. Dahinter steht die Erfahrung, dass es wesentlich wirtschaftlicher ist, vorhandene Spender erneut um Spenden zu bitten. Oft braucht es bei nichtkirchlichen Organisationen bis zu drei Durchschnittsspenden, bis der Aufwand für die Neuspendergewinnung die Erträge übersteigen.

Fundraising ist Teil der langfristigen Finanzierungsstrategie einer Organisation. Es ist ein auf Dauer angelegtes Vorgehen und soll einen verlässlichen Beitrag leisten.

Kim Kleins „Weisheit“ liegt auch die Einsicht zugrunde, dass die Beziehung zwischen Organisation und Spender wachsen kann. Das allein auf die Spendenhöhe oder -häufigkeit zu beziehen, würde die Gründe ausblenden, die es aussichtsreich machen, wiederholt und um mehr zu bitten.

Die Beziehung wächst in dem Maße, in dem die Organisation verlässlich mit der Spenderin kommuniziert. Das fängt an mit dem schnellen Dank für die Spende und geht weiter mit Informationen über die Verwendung und die Wirkung der Mittel. So baut sich Vertrauen auf. Die Spenderinnen erfahren, dass ihr Engagement Sinn ergibt.

Vertrauen ist die Grundlage dafür, die Spender erneut und in der Folge auch gezielt um mehr zu fragen. Dabei geht die NGO einerseits darauf, dass der Spender selbst entscheidet, ob und wofür er spenden möchte. Andererseits soll der Spender darauf vertrauen dürfen, dass die NGO ihn nicht unter Druck setzt.

Fundraising ist ein Kommunikationsprozess. In dem Maße, in dem eine NGO und ihre Spenderinnen miteinander kommunizieren, wird es für beide Seiten immer selbstverständlicher, über weitere Spenden zu sprechen. Und dann wird die Frage zu einem konkreten Angebot, sich weiterhin für einen guten Zweck zu engagieren.

(Bild: © geralt by pixabay.com)

Die Kirchensteuer – überall

Es war in Bretten an der Stiftskirche. Eines Tages waren der Zivi und ich dabei, das Tor zur Einfahrt auf den Kirchvorplatz zu schließen, da schoss ein Kleinwagen an uns vorbei und fuhr dem Zivi beinahe über die Zehen. Der Wagen parkte, ein Mann stieg aus und wollte eilends weg. Auf unsere Ansage hin, dass dies kein öffentlicher Parkplatz sei und er bitte wieder wegfahren solle, kam die Antwort: „Ich darf hier parken.  Ich zahle Kirchensteuer.“

Ob ausgesprochen oder unausgesprochen, das Thema „Kirchensteuer“ schwebt wie eine Wolke über  jeder  Kommunikation  mit unseren Mitgliedern, Sympathisanten, Ehrenamtlichen und Spendern. Und – meine These – je seltener diese Kommunikation geschieht, desto häufiger spielt das Thema eine Rolle, wenn es dann zum Kontakt kommt.

„Jahrelang habe ich Kirchensteuer gezahlt, ohne etwas in Anspruch zu nehmen  und jetzt, wo ich heirate, komme ich mir wie ein Bittsteller vor.“ Solche oder ähnliche Aussagen begegnen mir gelegentlich.

Auch manch Kirchensteuerzahler, der eine Spendenbitte von seiner Gemeinde erhält, reagiert mit den Worten:

„Ich zahle doch Kirchensteuer!“

Diese Reaktion kann so interpretiert werden, dass das Mitglied der Meinung ist, bereits genug zur Finanzierung der Kirche beizutragen. Das schwingt wohl oft mit. Doch es gibt da noch etwas anderes. Die Bitte um eine Spende wird m.E. häufig als undankbar und unzeitig empfunden. Denn der Beitrag, den man als Mitglied durch die Kirchensteuer leistet, wurde bislang nicht gewürdigt und gedankt.

Und ein Dank wäre angemessen, denn anders als bei staatlichen Steuern kann man sich der Kirchensteuer leicht und legal durch den Austritt entledigen. Aus Sicht von Mitgliedern, die nur selten in Kontakt mit ihrer Gemeinde oder anderen kirchlichen Einrichtungen sind, ist die Kirchensteuer so eher eine freiwillige Gabe. Sie wird vielleicht aus alter Verbundenheit gezahlt, ähnlich einer passiven Vereinsmitgliedschaft.

Ich kann die geschilderte Enttäuschung einiger Kirchensteuerzahler beim Erhalt von Spendenbriefen nachvollziehen. Dass die meisten Landeskirchen nicht wissen, wer die 30% ihrer kirchensteuerzahlenden Mitglieder sind, taugt nicht als Entschuldigung (Weshalb das so ist und ob das so bleiben muss, dazu ein andermal.). Es ist vielmehr ein wesentliches Teil des Problems. Denn es sind die Ortsgemeinden und ihre Mitarbeiter und Engagierten, die in den dichten Kommunikationszusammenhängen mit den Mitgliedern stehen. Über ihnen regnen die meisten der regelmäßigen Kirchensteuergewitter ab.

Was Not tut? Mehr, genauer und offener über das Thema Kirchensteuer miteinander kommunizieren. Und das gilt nicht nur oder primär in Hinblick auf die vielen Mitglieder, die nicht zur Kerngemeinde gehören, oder die allgemeine Öffentlichkeit. Da gibt es zwar schon gute Ansätze (siehe z.B. hier), aber auch noch viel zu tun. Mehr reden und informieren gilt vor allem auch für die MitarbeiterInnen, die Gremien und Kerngemeinden. Es geht um ein Bewusstsein um die finanziellen Grundlagen unserer Kirche. Davon hängt die Organisation Kirche ab.

Die Botschaft Jesu gilt allen Menschen, egal ob arm oder reich, ohne Unterschied. Doch die ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung in unserer Gesellschaft spiegelt sich bei unseren Mitgliedern weitestgehend wider. Als Organisation tut Kirche gut daran, dies wahrzunehmen und Aristoteles‘ ethisches Prinzip zu befolgen: Gleiches gleich zu behandeln und Ungleiches ungleich. Die Verdrängung oder Tabuisierung des Themas wird niemandem gerecht werden und nicht gut tun.

(Bild: © nisroh / pixabay.com)

Keine Klötzchen bestaunen | Unterschriften druckfähig scannen

Eingescannte Unterschriften verpassen Drucksachen, (Spenden-)Briefen, Editorials etc. eine persönliche Note. Nur blöd, wenn die Illusion der eigenhändigen Unterschrift sich bereits beim ersten Blick  in Luft auflöst.

Stufenartefakte bei einer JPEG-Datei. (© Carp)
Stufenartefakte bei einer JPEG-Datei. (© Carp)

Blockartefakte, das sog. „Stufenmuster“, und ein unsauberer Hintergrund sind untrügliche Hinweise auf ein Faksimile. Zugleich zeugen solch unsaubere Unterschriften von mangelnder Sorgfalt und Kompetenz des Absenders. Beide Eindrücke wollen diese auf jeden Fall vermeiden.

Zudem lassen sich Unterschriften mit dem richtigen Know-how leicht sauber digitalisieren.  Damit sehen die inhouse produzierten Serienbriefe gut aus und auch Ihre Druckerei oder Grafiker bekommen druckfähige Dateien.

1. Die Unterschrift

Die Unterschrift, die in den Briefen und Werbematerialen benutzt werden, soll muss zunächst einmal eines sein: Lesbar

Manchmal bekomme ich von den Absendern Unterschriften zur Verfügung gestellt, die auch im Ansatz nicht zu entziffern sind. Wenn ich das anspreche, lautet die Antwort häufig: „So unterschreibe ich halt. Das bin ich, das ist Ausdruck meiner Persönlichkeit.“

Ob so eine nichtentzifferbare Unterschrift einen vertrauenswürdigen Eindruck hinterlässt, sei einmal dahingestellt. Es ist aber auch nicht unbedingt ratsam, seine offizielle Unterschrift für das Faksimile zu nutzen, sondern sich noch eine „Schmuckunterschrift“ zuzulegen. Diese Schmuckunterschrift sollte sich deutlich von der Unterschrift unterscheiden, die etwa bei Banken als Unterschriftenprobe hinterlegt wurde. Ich habe es in meiner Praxis schon einige Male erlebt, dass versucht wurde, die Unterschrift eines Vorstands oder Dekans auf einem Überweisungsträger zu fälschen. Dabei wurde auf Unterschriftenmuster zurückgegriffen, die durch Drucksachen öffentlich im Umlauf waren.

Vergrößerte Ansicht einer Unterschrift mit Füller (© Carp)
Vergrößerte Ansicht einer Unterschrift mit Füller (© Carp)

Dann empfiehlt es sich, die Unterschrift mit einem Füller oder einem anderen breiteren Stift zu schreiben. Die Unterschriften mit Fineliner oder einem dünnen Kugelschreiber kommen im wahrsten Sinne des Wortes zu leicht daher. Die Linien einer Füllerschrift weisen auch unterschiedliche Farbintensitäten auf, was authentischer wirkt. Blau ist in der Regel die Farbe der Wahl. Eine einmal eingescannte farbige Unterschrift lässt sich bei Bedarf auch schnell in eine monochrome, z.B.  schwarze, Version umwandeln.

Fertigen Sie die Unterschriften auf reinweißem Papier an, das begünstigt später das Freistellen der Unterschrift.

2. Das Einscannen

Scannen Sie die Unterschrift mit folgenden Parametern ein:

  • Farben: 24 bzw. 32 bit

    Scannereinstellungen unter XSane (© Carp)
    Scannereinstellungen unter XSane (© Carp)
  • Auflösung: 1200 dpi
  • Ausgabeformat: TIFF

Mit der sehr hohen Auflösung von 1200 dpi werden die Kanten und Rundungen der Überschrift sehr effektiv geglättet. Für den Druck braucht man in der Regel aber nur eine Auflösung von 300 dpi.

Das Grafikformat TIFF (Tagged Image File Format) ist zwar schon alt und seine Dateien sind im Vergleich zu JPEG oder PNG riesig, doch es ist bis heute neben PDF und EPS das am häufigsten verwendete Format in der Druckvorstufe. Es arbeitet mit einer Farbtiefe von bis zu 32 bit und kann auch den für den Offsetdruck wichtigen Farbraum CMYK abbilden. Zudem kann TIFF – das wird häufig vergessen – mit Transparenzen arbeiten. TIFF ist das ideale Grafikformat für hochwertige Bilder. Da TIFF i.d.R. die Bilddaten nicht komprimiert, was es von PNG und JPEG unterscheidet, treten auch die anfangs angesprochenen Kompressionsartefakte nicht auf.

3. Das Freistellen

Für das Ausschneiden und Freistellen der Grafik, also der Entfernung des Hintergrunds, benötigt man eines der gängigen Bildbearbeitungsprogramme. Ich arbeite gerne mit dem freien und kostenlosen Programm GIMP, das es für Windows, MacOS und Linux gibt. Die im Folgenden beschriebenen Schritte und Werkzeuge gibt es in der Regel in allen gängigen Programmen.

  1. Sofern Sie es nicht schon getan haben, schneiden Sie aus der
    Ausschnitt der Unterschrift (© Carp)
    Ausschnitt der Unterschrift (© Carp)

    eingescannten Datei die Unterschrift aus  und fügen Sie sie als neues Bild ein (GIMP: Bearbeiten > Einfügen als ... > Neues Bild).

  2. Entfernen Sie ggf. störende Flecke etc. mit dem Radiergummi-Werkzeug.

    Schwellwert setzen (© Carp)
    Schwellwert setzen (© Carp)
  3. Wählen Sie das Werkzeug „Nach Farbe auswählen“Nach Farbe auswählen (© Carp)aus und setzen Sie den„Schwellwert“ zunächst auf 35. Mit einem Wert in dieser Größenordnung erhält man meist ein gutes Ergebnis. Wählen Sie mit dem Werkzeug-Cursor den weißen Hintergrund aus.
Auswahl (© Carp)
Auswahl (© Carp)
  1. Kehren Sie die Auswahl nun um (GIMP: Auswahl > Invertieren), so dass alles, was nicht weiß ist, markiert wird, sprich die Unterschrift.
  2. Kopieren Sie die Auswahl in die Zwischenablage (Strg-C).
  3. Fügen Sie den Inhalt der Zwischenablage als neues Bild ein (GIMP: Bearbeiten > Einfügen als ... > Neues Bild). Sie sehen die Unterschrift auf transparentem Untergrund.

    Freigestellt (© Carp)
    Freigestellt (© Carp)
  4. Überprüfen Sie die Ränder der Unterschrift. Sind noch helle Reste des Hintergrunds zu sehen sind oder sind die Ränder zu hart abgeschnitten, müssen Sie den Schwellwert des Werkzeugs „Nach Farbe auswählen“ hoch- oder runtersetzen und die ganze Prozedur ab Punkt 3 wiederholten.
  5. Speichern/Exportieren Sie die Unterschrift nun als TIFF-Datei ab
    Als TIFF speichern (© Carp)
    Als TIFF speichern (© Carp)

    (GIMP: Datei > Exportieren als ... / Parameter: Kompression: keine).

  6. Fertig ist die druckfähige Unterschriftendatei, die zudem einen transparenten Hintergrund hat und schick über Textelemente gelegt werden kann.
Fertige Unterschrift (© Carp)
Fertige Unterschrift (© Carp)

Links

Rechtliche Anforderungen an eine Unterschrift:

https://de.wikipedia.org/wiki/Unterschrift#Anforderungen_an_die_Lesbarkeit

Artikel zum Betrug mit Überweisungsträgern: https://www.kontofinder.de/blog/betrug-mit-falschen-ueberweisungstraegern

 

Amazon (Smile) und das Gemeinwesen – Eine zynische Beziehung

Ich werde immer wieder gefragt, ob ich Erfahrung mit den diversen charity-shopping-Programmen im Internet habe, also AmazonSmile, Bildungsspender etc. Das liegt schon lange zurück. Ich habe immer geraten, seine Zeit und Kraft in andere Strategien (Gespräche, Förderanträge etc.) zu investieren. Da kommt mehr bei rum. Denn charity-shopping-Programme erfordern die permanente Erinnerung des eigenen Netzwerks dran, sie zu nutzen. Also: Cui bono?

Es gibt aber insbesondere mit Blick auf AmazonSmile für NGOs, die Kirchen und den öffentlichen Sektor ein massives ethisches Problem. Die sog. „Paradise Papers“ haben wieder ein Schlaglicht darauf geworfen, wie global agierende Konzerne systematisch Steuervermeidung zulasten der Länder betreiben, in denen sie ihre Geschäfte und Gewinne machen.

Es ist zynisch, wenn diese Konzerne sich  im Rahmen ihrer Corporate Social Responsibility-Strategien gleichzeitig als Unterstützer des Gemeinwesens darstellen. Da lassen sich zahlreiche Fördervereine von Schulen und Kindergärten z.B. bei AmazonSmile listen und hoffen auf kleine Beiträge für ihre Arbeit. Die Ausstattung der Kindergärten, Schulen und Sportvereine und somit der Unterricht und die Trainingsbedingungen sollen mit diesen Spenden verbessert werden.

Dabei liegt es auf der Hand, dass die Konzerne der Gesellschaft nicht zuerst milde Gaben sondern ihre Steuern schulden. Dann stünden dem Staat genug Mittel zur Verfügung, Kindergärten, Schulen und Universitäten sowie die öffentliche Infrastruktur besser auszustatten. Also genau die Strukturen, von denen die Konzerne in den Ländern auch profitieren.

Deswegen sollten alle Akteure der Zivilgesellschaft Rückgrat zeigen und einen weiten Bogen um solche Angebote machen. Es muss vielmehr laut und deutlich gesagt werden: Steuervermeidung schadet der Zivilgesellschaft massiv. Da ist jedes  Charity-Programm eine Nebelkerze und korrumpiert zudem die Empfänger.

(Bild: © gleenferdinand by pixabay.com)

Menschen geben für Menschen (Fundraising-Weisheit #1 )

Spenden für den Erhalt einer Kantoren- oder Pfarrstelle? Spenden für die Renovierung eines Gemeindehauses, die Sanierung eines Seilgartens oder die Einrichtung einer sicheren Wohnung der Prostituiertenberatung? Alltägliche Projekte in unseren Gemeinden und Einrichtungen.

Doch die meisten SpenderInnen wollen keine Arbeitsplätze, Renovierungsarbeiten oder andere Anschaffungen unterstützen. Diese Dinge sind alle nur Mittel zum Zweck.

Diese Einsicht geht bei der alltäglichen Arbeit in den Vorständen unserer Einrichtungen schnell wieder einmal verloren. Die interne Betriebsblindheit will immer wieder geheilt werden. Dabei hilft einer der wichtigsten Fundraising-Weisheiten:

„Menschen geben für Menschen“ („People give to people“)

Bei der Werbung um Spenden muss folglich unser Auftrag im Vordergrund stehen. Was trägt unsere Arbeit zum Gemeinwesen bei? Inwiefern macht unsere Arbeit als Gemeinde oder Verein das Leben anderer Menschen (und auch von Tieren) besser? Was bewirkt unser Handeln?

Konkret bedeutet das, dass wir erklären müssen, was z.B. die kirchenmusikalische Arbeit in unserer Gemeinde für die Gemeinde und ihre Mitglieder bedeutet. Sie trägt z.B. zur Lebendigkeit der Gemeinde bei, ist mit seinen Ensembles ein sozialer Faktor, spricht Menschen auf ihre Lebensfragen und ihren Glauben an.

Oder bei der o.g. Prostituiertenberatung: Sie hat u.a. das Ziel, Frauen bei ihrem Ausstieg aus den Zwangsprostitution zu unterstützen und zu beschützen.

Das sind die Werte und Ziele, die die SpenderInnen unterstützen wollen. Und dafür sind sie dann auch bereit, für die notwendigen Mittel zu spenden. Empathie ist der Schlüssel für eine gelingende Kommunikation der eigenen Spendenzwecke.

 

(Bild: © S.-Hofschlaeger / pixelio.de)